1984
B1 Roman 20 Kapitel · ~30 Min.

1984

Eine einfache B1-Fassung von George Orwells «1984». Winston Smith lebt in einem Staat, in dem der Große Bruder alles sieht — und beginnt, heimlich an der Wahrheit und an seiner Freiheit festzuhalten.

Kapitel 1: Ein kalter April-Tag

Es ist ein kalter Tag im April.

Winston Smith kommt nach Hause. Er wohnt in London, in einem großen Wohnhaus. Das Haus ist alt und in schlechtem Zustand. Es ist sehr windig, und Staub kommt durch die Tür und die Fenster in die Wohnung.

In der ganzen Stadt hängen große Poster. Auf den Postern sieht man ein Gesicht: einen Mann mit einem schwarzen Bart. Unter dem Gesicht steht der Satz:

„BIG BROTHER SIEHT DICH.“

In Winstons Wohnung gibt es einen Tele-Bildschirm. Dieser Bildschirm zeigt Programme, aber er kann auch alles hören. Winston kann ihn nicht ausschalten. Alle Menschen wissen: Sie werden ständig beobachtet.

Winston ist müde. Er setzt sich an den Tisch. Dann holt er ein kleines Heft hervor. Es ist ein Tagebuch. Ein Tagebuch zu schreiben ist verboten. Trotzdem will Winston schreiben.

Er nimmt einen Stift und beginnt:

„April 1984.“

Mehr schreibt er zuerst nicht. Er weiß genau: Wenn die Polizei dieses Heft findet, ist er in großer Gefahr.

Kapitel 2: Besuch bei Winston

Plötzlich klopft jemand an die Tür.

Winston erschrickt sofort. Er hat Angst, dass es die Polizei ist. Langsam geht er zur Tür und macht sie auf. Vor der Tür steht Frau Parsons, seine Nachbarin. Sie sieht müde und nervös aus.

„Können Sie bitte kurz mitkommen?“, fragt sie. „Mein Waschbecken ist kaputt.“

Winston geht mit ihr in ihre Wohnung. Die Wohnung ist schmutzig und riecht unangenehm. Im Zimmer spielen zwei Kinder. Sie tragen kleine Uniformen.

Die Kinder rufen laut: „Feind! Verräter!“

Dann richten sie ihre Spielzeug-Pistolen auf Winston.

Frau Parsons lacht nervös. „Sie spielen gern Spione“, sagt sie.

Winston repariert das Waschbecken und geht schnell wieder zurück in seine Wohnung. Die Kinder machen ihm Angst. Sie sind noch klein, aber sie wirken schon gefährlich.

Winston denkt: Die Kinder lernen sehr früh, andere Menschen zu beobachten und zu kontrollieren.

Kapitel 3: Winstons Traum

In der Nacht schläft Winston schlecht. Er hat viele Träume.

Zuerst träumt er von seiner Mutter. Sie ist schon lange tot. Winston erinnert sich an seine Kindheit. Damals war er oft hungrig. Seine Mutter hat ihm Essen gegeben, aber er wollte immer mehr.

Dann war seine Mutter plötzlich weg.

Winston fühlt Schuld und Trauer. Er denkt an sie und fühlt sich schlecht, weil er damals nur an sich selbst gedacht hat.

Danach träumt er von einem schönen Ort. Dort ist eine grüne Wiese mit Blumen. Die Sonne scheint, und die Luft ist warm. Winston nennt diesen Ort: „Das Goldene Land.“

Plötzlich hört er eine Stimme. Es ist eine laute Männerstimme: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“

Winston wacht erschrocken auf. Die Stimme kommt vom Tele-Bildschirm.

Alle Menschen müssen jetzt aufstehen und Gymnastik machen. Auch Winston muss mitmachen, obwohl er müde ist.

Kapitel 4: Winstons Arbeit

Am Morgen geht Winston zur Arbeit. Er arbeitet im Ministerium für Wahrheit. Das Gebäude ist riesig und grau.

Winstons Arbeit ist gefährlich. Er muss alte Zeitungen ändern. Wenn die Regierung heute etwas Neues sagt, dann muss auch die Vergangenheit dazu passen.

Also schreibt Winston alte Texte neu.

Zum Beispiel: Die Regierung sagt heute: „Die Produktion von Schuhen war sehr hoch.“

Aber in einer alten Zeitung steht: „Die Produktion von Schuhen war niedrig.“

Dann muss Winston den alten Text ändern. Danach sieht es so aus, als hätte die Regierung schon immer recht gehabt.

Winston weiß: Das ist alles eine Lüge.

Aber er sagt nichts. Er arbeitet einfach weiter. Denn niemand darf die Wahrheit sagen. Wenn jemand es trotzdem tut, kann er plötzlich verschwinden.

Kapitel 5: Die Kantine

Mittags geht Winston in die Kantine. Der Raum ist groß und voll. Überall sitzen Menschen, die auch im Ministerium arbeiten.

Winston setzt sich zu seinen Kollegen. Neben ihm sitzt Syme. Syme ist sein Freund und sehr intelligent. Er arbeitet an einem neuen Wörterbuch. Dieses Wörterbuch heißt Neusprech.

Syme spricht begeistert darüber. Er sagt:

„Wir machen die Sprache kleiner. Bald gibt es viele alte Wörter nicht mehr. Wenn es kein Wort für Freiheit gibt, kann auch niemand mehr richtig über Freiheit nachdenken.“

Winston hört zu, aber er sagt nichts. Er denkt: Syme ist zu klug. Er versteht zu viel und spricht zu offen. Eines Tages wird er deshalb vielleicht verschwinden.

Dann bemerkt Winston eine Frau an einem anderen Tisch. Sie hat schwarzes Haar und trägt eine rote Schärpe. Es ist Julia.

Sie schaut Winston kurz an und sieht dann wieder weg.

Winston fühlt sich unsicher. Er fragt sich: Mag sie ihn vielleicht? Oder beobachtet sie ihn für die Partei?

Kapitel 6: Ein gefährliches Geheimnis

Am Abend schreibt Winston wieder in sein Tagebuch. Er denkt über sein Leben nach.

Früher war er einmal verheiratet. Seine Frau hieß Katharine. Sie haben zusammengelebt, aber sie waren nicht glücklich. Katharine hat immer genau das gemacht, was die Partei wollte. Sie hat die Regeln der Partei nicht hinterfragt.

Liebe gab es zwischen ihnen nicht wirklich.

Winston schreibt in sein Tagebuch: „Freiheit bedeutet: Man darf sagen, dass zwei plus zwei vier ist. Wenn man das sagen darf, ist alles andere möglich.“

Winston weiß: Wenn jemand dieses Tagebuch findet, ist er sofort in großer Gefahr. Vielleicht wird er sogar getötet.

Aber er kann nicht aufhören. Er will die Wahrheit schreiben. Er will frei sein — wenigstens in seinen Gedanken.

Kapitel 7: Gedanken an die Vergangenheit

Winston sitzt allein und denkt nach. Er erinnert sich an Geschichten aus der Vergangenheit.

Früher gab es noch keine Partei und keinen Großen Bruder. Die Menschen waren damals nicht perfekt frei, aber das Leben war irgendwie normaler. Es gab Liebe, Familie und Freundschaft.

Jetzt sagt die Partei: „Es gab nie Freiheit. Es gab nie ein anderes Leben.“

Winston weiß: Das ist eine Lüge. Aber er hat keine Beweise. Alle Dokumente werden geändert. Alte Zeitungen, alte Berichte und alte Fotos verschwinden oder werden neu geschrieben. Auch die Erinnerungen der Menschen werden mit der Zeit unsicher.

Winston denkt: „Wenn es noch Hoffnung gibt, dann vielleicht bei den Proles.“

Die Proles sind die armen Menschen, die nicht direkt zur Partei gehören. Sie sind sehr viele — fast 85 Prozent der Bevölkerung. Aber sie wissen wenig über Politik und interessieren sich meistens nur für Arbeit, Essen und Fußball.

Sie merken nicht, wie stark sie eigentlich sein könnten.

Winston fühlt sich traurig und allein. Er fragt sich: „Bin ich der Einzige, der die Wahrheit noch kennt?“

Kapitel 8: Ein gefährlicher Spaziergang

An einem Abend geht Winston allein durch die Straßen. Er läuft in ein Viertel der Proles. Hier leben die armen Menschen, die nicht direkt zur Partei gehören.

In diesem Viertel gibt es kleine Läden, spielende Kinder, alte Frauen und viele laute Stimmen. Es ist schmutzig, aber es wirkt auch lebendig.

Winston geht in eine Kneipe und spricht dort mit einem alten Mann. Er will wissen: „Wie war das Leben früher, vor der Partei?“

Aber der alte Mann kann sich nicht richtig erinnern. Er erzählt nur einzelne kleine Geschichten über Bier, Geld und alte Zeiten. Winston merkt: Von ihm bekommt er keine klare Antwort.

Danach geht Winston in einen kleinen Antiquitätenladen. Der Verkäufer heißt Herr Charrington. Er zeigt Winston alte und schöne Dinge.

Besonders gefällt Winston ein Glas mit einer Koralle darin. Es erinnert ihn an eine andere Zeit, an eine Welt vor der Partei.

Oben im Laden gibt es ein kleines Zimmer. Dort steht kein Tele-Bildschirm. Winston denkt: „Hier könnte man vielleicht frei sein.“

Als Winston den Laden wieder verlässt, sieht er plötzlich Julia draußen auf der Straße. Sie beobachtet ihn heimlich.

Winston erschrickt. Er geht schnell weg. Er weiß nicht, was er denken soll: Ist Julia eine Feindin? Oder ist sie vielleicht eine Freundin?

Kapitel 9: Die geheime Nachricht

Ein paar Tage später passiert etwas Unerwartetes.

Winston geht durch einen langen Korridor im Ministerium. Plötzlich fällt Julia direkt vor ihm hin.

Winston bleibt stehen und hilft ihr auf. Für einen ganz kurzen Moment berühren sich ihre Hände. Dabei gibt Julia ihm heimlich einen kleinen Zettel.

Winston bekommt sofort Angst. Er steckt den Zettel schnell in seine Tasche und versucht, ganz normal weiterzugehen.

Später ist Winston allein in seinem Zimmer. Erst dann öffnet er den Zettel.

Darauf stehen nur drei Worte: „Ich liebe dich.“

Winston ist schockiert. Er kann es kaum glauben. Julia, die junge Frau mit dem schwarzen Haar, liebt ihn.

Am nächsten Tag treffen sie sich heimlich in der Kantine. Sie sprechen fast nicht miteinander, denn das wäre zu gefährlich. Aber sie schaffen es, ein Treffen zu verabreden.

Sie wollen sich draußen sehen, an einem sicheren Ort.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlt Winston wieder Hoffnung.

Kapitel 10: Im Goldenen Land

Winston und Julia treffen sich heimlich draußen. Sie gehen weit weg von der Stadt. Dort gibt es eine grüne Wiese, Bäume, Vögel und Sonne.

Es gibt dort keine Tele-Bildschirme. Niemand scheint sie zu beobachten.

Julia läuft zu Winston und umarmt ihn. Sie küssen sich. Winston fühlt sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wirklich lebendig.

Julia erzählt ihm, dass sie nur so tut, als wäre sie ein gutes Mitglied der Partei. Nach außen folgt sie den Regeln. Aber in Wahrheit hasst sie die Partei.

Sie sagt, dass Widerstand nicht immer mit großen Worten beginnt. Manchmal beginnt er einfach im Herzen.

Winston ist glücklich. Jetzt weiß er: Er ist nicht allein. Julia denkt ähnlich wie er.

Sie liegen im Gras und sprechen über Freiheit. Für Winston ist dieser Ort wie in seinem Traum. Er nennt ihn wieder: „Das Goldene Land.“

Aber beide wissen: Wenn die Partei sie entdeckt, sind sie verloren.

Kapitel 11: Das geheime Zimmer

Nach einigen Treffen draußen wollen Winston und Julia mehr Zeit zusammen verbringen.

Sie gehen wieder zu Herrn Charrington, dem alten Verkäufer. Er zeigt ihnen das Zimmer über seinem Laden.

Das Zimmer ist klein, aber gemütlich. Es gibt ein Bett, einen Tisch und keinen Tele-Bildschirm.

Für Winston und Julia fühlt sich dieses Zimmer wie ein Paradies an. Dort können sie zusammen sein, ohne sofort Angst zu haben.

Sie verbringen viele Nachmittage in diesem Zimmer. Sie reden miteinander, lachen und lieben sich. Manchmal bringt Julia Schokolade oder Kaffee vom Schwarzmarkt mit.

Für Winston sind diese kleinen Dinge etwas Besonderes. Sie erinnern ihn daran, dass das Leben auch schön sein kann.

Eines Tages sieht Winston im Zimmer einen alten Spiegel. Er schaut sich um und sagt: „Hier sind wir frei.“

Julia nickt. Aber beide wissen: Es bleibt gefährlich.

Draußen in der Stadt müssen sie weiter vorsichtig sein. Sie müssen so tun, als wären sie brave Mitglieder der Partei. Nur in diesem geheimen Zimmer fühlen sie sich wie echte Menschen.

Kapitel 12: Ein gefährlicher Kontakt

Winston und Julia treffen sich weiter in ihrem geheimen Zimmer. Dort fühlen sie sich ein bisschen frei. Aber Winston will nicht nur heimlich mit Julia zusammen sein. Er will mehr. Er möchte etwas gegen die Partei tun.

Eines Tages spricht ein Kollege im Ministerium mit ihm. Es ist O’Brien. O’Brien ist ein wichtiger Mann in der Inneren Partei.

O’Brien ist freundlich zu Winston. Er sagt: „Vielleicht können wir uns einmal privat treffen. Ich habe ein Buch, das Sie interessieren könnte.“

Winston ist überrascht. Er denkt sofort: Vielleicht ist O’Brien gar nicht wirklich auf der Seite der Partei. Vielleicht gehört er zu einer geheimen Gruppe, die gegen den Großen Bruder kämpft.

Diese Gruppe heißt Bruderschaft.

Später erzählt Winston Julia davon. Julia bekommt Angst. Sie findet die Situation gefährlich.

Aber Winston ist entschlossen. Er sagt: „Wenn es Hoffnung gibt, dann nur durch Widerstand.“

Julia schaut ihn an und sagt leise: „Ich liebe dich. Aber sei vorsichtig.“

Kapitel 13: Bei O’Brien

Winston besucht O’Brien in seiner großen Wohnung. Julia kommt mit ihm.

Die Wohnung ist sauber und modern. Sie sieht ganz anders aus als Winstons Wohnung oder das geheime Zimmer. Dort gibt es sogar Wein. Das ist etwas Besonderes, denn normale Menschen bekommen so etwas fast nie.

O’Brien spricht ernst mit ihnen. Er sagt: „Es gibt eine geheime Organisation gegen den Großen Bruder. Sie heißt Bruderschaft. Wenn ihr mitmacht, gibt es keinen Weg zurück.“

Winston und Julia antworten sofort: „Ja, wir sind bereit.“

Dann stellt O’Brien ihnen viele Fragen. Er fragt, ob sie bereit sind zu lügen. Er fragt, ob sie bereit sind zu stehlen. Er fragt, ob sie auch dann weitermachen, wenn es gefährlich wird.

Winston und Julia sagen jedes Mal: „Ja.“

Danach gibt O’Brien Winston ein dickes Buch. Er sagt: „In diesem Buch stehen die Ideen der Bruderschaft. Lest es und versteht die Wahrheit.“

Winston nimmt das Buch mit. Er fühlt Hoffnung, weil er denkt, dass es wirklich Widerstand gegen die Partei gibt.

Aber gleichzeitig hat er große Angst. Er weiß: Ab jetzt ist alles noch gefährlicher.

Kapitel 14: Das verbotene Buch

Winston und Julia sind wieder in ihrem geheimen Zimmer. Winston hat jetzt das Buch von O’Brien. Das Buch ist dick und schwer, aber Winston liest es mit großem Interesse.

In dem Buch steht: Die Welt ist in drei große Staaten geteilt: Ozeanien, Eurasien und Ostasien. Diese Staaten kämpfen immer gegeneinander. Aber dieser Krieg hört nie wirklich auf.

Der Krieg bleibt immer da. So bleiben die Menschen beschäftigt, ängstlich und gehorsam.

Das Buch erklärt auch: Die Partei will nicht nur, dass die Menschen ihre Befehle befolgen. Sie will mehr. Sie will sogar kontrollieren, was die Menschen denken.

Denn wenn die Menschen nicht mehr frei denken können, können sie auch nicht mehr gegen die Partei kämpfen.

Winston liest stundenlang. Julia liegt neben ihm und schläft. Winston denkt: „Jetzt verstehe ich, warum die Welt so ist.“

Zum ersten Mal hat er das Gefühl, die Wahrheit wirklich zu sehen. Aber tief in ihm bleibt die Angst. Er fragt sich: „Wie lange können wir noch frei bleiben?“

Kapitel 15: Die Verhaftung

Winston und Julia sind im geheimen Zimmer. Es ist Abend. Sie fühlen sich sicher. Draußen ist alles ruhig.

Plötzlich hören sie eine Stimme: „Ihr seid verhaftet!“

Winston und Julia erschrecken. Die Stimme kommt aus dem Bild hinter dem Bilderrahmen. Dort war die ganze Zeit ein versteckter Tele-Bildschirm.

Die Tür geht mit Gewalt auf. Soldaten stürmen ins Zimmer. Sie schlagen Winston und Julia zu Boden.

Dann kommt auch Herr Charrington ins Zimmer, der alte Verkäufer. Aber jetzt sieht er ganz anders aus. Er wirkt nicht mehr alt und freundlich. Er sieht jünger, stark und hart aus.

Winston versteht: Herr Charrington war die ganze Zeit ein Spion der Partei.

Julia wird weggebracht. Winston sieht sie nur noch ganz kurz. Dann wird auch er gefesselt und aus dem Zimmer gebracht.

Winston hat große Angst. Er weiß: Alles ist vorbei.

Kapitel 16: Im Ministerium der Liebe

Winston wird in ein neues Gebäude gebracht. Es heißt Ministerium der Liebe.

Der Name klingt freundlich, aber der Ort ist schrecklich. Es gibt keine Fenster, nur weiße Wände. Überall sind Kameras und Wachen.

Für Winston verschwimmen die Tage. Manchmal denkt er, es ist Tag. Dann wieder denkt er, es ist Nacht. Aber er weiß es nicht sicher.

Er sitzt in einer Zelle und wartet.

Andere Gefangene kommen und gehen. Manche weinen, manche schreien, andere sitzen nur still da. Alle haben Angst.

Eines Tages wird Winston in einen hellen Raum gebracht. Dort steht O’Brien.

Winston ist schockiert. Jetzt versteht er: O’Brien gehört nicht zur Bruderschaft. Er ist ein Mitglied der Partei.

O’Brien sagt ruhig: „Winston, du musst die Wahrheit lernen. Die Partei bestimmt, was wahr ist. Wenn wir sagen, zwei plus zwei ist fünf, dann ist es fünf.“

Winston versteht: Jetzt beginnt die Folter.

Kapitel 17: Die Folter

Winston wird immer wieder in den Folterraum gebracht. O’Brien ist jedes Mal dort und kontrolliert alles.

Die Männer schlagen Winston, bis er kaum noch stehen kann. Manchmal bekommt er tagelang nichts zu essen. Manchmal scheint sehr helles Licht direkt in seine Augen.

Die Schmerzen sind kaum zu ertragen.

O’Brien sagt zu ihm: „Wir foltern dich nicht, weil du etwas getan hast. Wir foltern dich, damit du uns glaubst.“

Winston versucht stark zu bleiben. Er will seine eigenen Gedanken nicht verlieren. Aber langsam beginnt er, an sich selbst zu zweifeln.

Wenn O’Brien sagt: „Zwei plus zwei ist fünf“, dann schreit Winston zuerst: „Nein, es ist vier!“

Aber jedes Mal kommt danach neue Folter. Sein Körper wird schwächer, und auch sein Geist wird müde.

Winston versteht: Die Partei will nicht nur, dass er gehorcht. Sie will auch seine Gedanken besitzen.

Am Ende kann Winston nicht mehr kämpfen. Er flüstert: „Bitte, sagt mir, was ich tun soll.“

Kapitel 18: Raum 101

Eines Tages sagt O’Brien zu Winston: „Jetzt kommt das Schlimmste. Jetzt gehst du in Raum 101.“

Winston beginnt zu zittern. Alle Gefangenen haben Angst vor Raum 101. Niemand weiß genau, was dort passiert. Aber alle wissen: Dort wartet die größte Angst eines Menschen.

Als Winston die Tür sieht, wird ihm schlecht.

Im Raum steht ein Käfig mit Ratten. Winston hat seit seiner Kindheit panische Angst vor Ratten.

O’Brien stellt den Käfig ganz nah an Winstons Gesicht. Dann sagt er ruhig: „Wenn du nicht gehorchst, öffnen wir die Tür.“

Die Ratten machen aggressive Geräusche. Ihre Zähne sind deutlich zu sehen.

Winston kann diese Angst nicht mehr ertragen. Er schreit verzweifelt: „Tut es Julia! Nicht mir! Foltert sie, nicht mich!“

In diesem Moment versteht Winston: Er hat Julia verraten. Seine letzte Liebe ist gebrochen.

Kapitel 19: Nach der Folter

Winston wird nicht mehr gefoltert. Er sitzt wieder allein in einer Zelle. Sein Körper ist dünn und schwach.

Aber das Schlimmste ist nicht sein Körper. Das Schlimmste ist: Sein Herz ist leer.

Er denkt an Julia. Früher hat er sie geliebt. Doch jetzt fühlt er nichts mehr. Die Partei hat seine Liebe zerstört.

Einige Wochen später kommt Winston frei. Er lebt allein, geht oft in Cafés und trinkt billigen Gin. Er arbeitet noch, aber eigentlich interessiert ihn nichts mehr.

Alles in ihm ist kaputt.

Eines Tages trifft er Julia zufällig auf der Straße. Sie sehen sich kurz an. Julia sagt: „Ich habe dich verraten.“

Winston antwortet: „Ich habe dich auch verraten.“

Danach gehen sie still auseinander.

Winston weiß jetzt: Die Partei hat gewonnen.

Kapitel 20: Der Sieg der Partei

Winston sitzt in seinem Stammcafé. Er trinkt Gin und schaut auf den Tele-Bildschirm.

Plötzlich kommt eine wichtige Meldung: Die Armee von Ozeanien hat einen großen Sieg gewonnen.

Die Menschen im Café jubeln laut. Auch Winston jubelt. Er macht es ganz automatisch, fast ohne darüber nachzudenken.

Dann füllen sich seine Augen mit Tränen.

Er denkt an den Großen Bruder. Früher hat Winston ihn gehasst. Früher wollte er frei sein und selbst denken.

Aber jetzt ist alles anders. Jetzt fühlt Winston nur noch Liebe und Gehorsam.

In seinem Kopf bleibt nur ein letzter Satz: „Er liebte den Großen Bruder.“

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