Gandhi
B1 Autobiografie 5 Teile · 168 Kapitel · ~2 Std.

Gandhi

Die Autobiografie von Mahatma Gandhi in einer einfachen B1-Fassung. Gandhi erzählt sein Leben — von der Kindheit in Indien über die Jahre in England und Südafrika bis zum gewaltlosen Kampf für die Freiheit.

Teil I · Kapitel 1: Geburt und Elternhaus

Ich heiße Mohandas Karamchand Gandhi. Ich bin am 2. Oktober 1869 in Porbandar in Indien geboren. Ich war das jüngste Kind in meiner Familie.

Meine Familie war ursprünglich eine Familie von Kaufleuten. Aber mein Großvater und mein Vater waren wichtige Beamte. Sie haben für die Fürsten in kleinen Staaten gearbeitet.

Mein Vater hieß Kaba Gandhi. Er war ehrlich, mutig und großzügig, aber manchmal schnell wütend. Man konnte ihn nicht bestechen, und er war für seine Gerechtigkeit bekannt. Er hatte wenig Schulbildung, aber viel Erfahrung im Leben. Geld war ihm nicht wichtig, und er hat uns nur wenig Besitz hinterlassen.

Meine Mutter hieß Putlibai. Sie war sehr religiös. Jeden Tag hat sie gebetet und ist zum Tempel gegangen. Oft hat sie streng gefastet, sogar wenn sie krank war. Sie war auch klug und hat viel über die Politik im Staat gewusst.

Als kleines Kind in der Schule war ich nicht besonders gut. Sogar das Rechnen ist mir schwergefallen.

Teil I · Kapitel 2: Kindheit

Als ich etwa sieben Jahre alt war, ist meine Familie nach Rajkot gezogen. Dort bin ich zur Schule gegangen.

Ich war ein mittelmäßiger Schüler. Aber ich habe nie gelogen – nicht zu den Lehrern und nicht zu den anderen Kindern.

Ich war sehr schüchtern. Meine Bücher waren meine einzigen Freunde. Nach der Schule bin ich sofort nach Hause gelaufen, denn ich hatte Angst, dass jemand über mich lacht.

Einmal kam ein Schulinspektor. Wir mussten ein paar Wörter schreiben, und ich habe ein Wort falsch geschrieben. Der Lehrer wollte, dass ich heimlich vom Nachbarn abschreibe. Aber das habe ich nicht gemacht. Ich dachte: Abschreiben ist nicht ehrlich. So war ich der einzige Junge mit einem Fehler. Aber ich habe nie gelernt, zu „kopieren“.

Zwei Geschichten haben mich tief berührt. Die eine war über einen Sohn, der seine blinden Eltern liebevoll getragen hat. Die andere war über einen König, der immer die Wahrheit gesagt hat. Ich habe mich gefragt: „Warum können nicht alle Menschen so ehrlich sein?“ Diese Geschichten sind mir mein ganzes Leben geblieben.

Teil I · Kapitel 3: Kinderehe

Jetzt muss ich über etwas Trauriges schreiben: Ich wurde mit 13 Jahren verheiratet. Heute finde ich das falsch. Ein Kind sollte nicht heiraten.

In Indien war das damals normal. Meine Eltern haben drei Kinder der Familie zur gleichen Zeit verheiratet – meinen Bruder, einen Cousin und mich. So war die große Feier billiger. Niemand hat uns Kinder nach unserer Meinung gefragt.

Eine indische Hochzeit ist groß und teuer. Es gibt schöne Kleidung, Musik und viel Essen. Für mich als Kind war das vor allem ein Fest und ein Spiel.

Auf dem Weg zur Hochzeit hatte mein Vater einen Unfall mit der Kutsche. Er wurde verletzt und kam mit Verbänden zur Feier. Aber die Hochzeit ist trotzdem gefeiert worden.

Meine Frau hieß Kasturbai. Wir waren beide noch Kinder und sehr schüchtern. Langsam haben wir uns kennengelernt. Aber schon bald wollte ich der „Herr“ im Haus sein.

Teil I · Kapitel 4: Ehemann spielen

Damals habe ich kleine Hefte über die Ehe gelesen. Darin stand: Ein Ehemann muss seiner Frau immer treu sein. Das habe ich tief in mein Herz aufgenommen. Treue und Wahrheit waren mir wichtig.

Aber ich habe auch falsch gedacht. Ich habe mir gesagt: „Wenn ich treu sein muss, dann muss meine Frau das auch.“ So bin ich sehr eifersüchtig geworden. Ich hatte keinen Grund dafür. Aber die Eifersucht braucht keinen Grund.

Ich wollte alles kontrollieren. Kasturbai durfte nicht ohne meine Erlaubnis aus dem Haus gehen. Das war fast wie ein Gefängnis. Aber sie war stark und unabhängig. Sie ist gegangen, wohin sie wollte. So gab es oft Streit, und manchmal haben wir tagelang nicht miteinander gesprochen.

Heute weiß ich: Sie hatte genau dieselben Rechte wie ich. Damals aber wollte ich unbedingt der „Herr“ sein.

In meinem Herzen war auch Liebe. Ich wollte ihr gern alles beibringen, was ich gelernt habe. Aber das ist mir nicht gelungen.

Zum Glück gab es einen alten Brauch: Junge Paare waren oft getrennt. Meine Frau hat viel Zeit bei ihren Eltern verbracht. So waren wir in den ersten Jahren nur wenig zusammen. Mit 18 Jahren bin ich dann nach England gegangen.

Teil I · Kapitel 5: In der Schule

Als ich geheiratet habe, war ich noch in der Schule. Durch die Hochzeit habe ich ein Jahr verloren. Meine Lehrer mochten mich, und ich habe sogar ein paar Preise gewonnen. Aber ich glaube, das war mehr Glück als Können.

Mein guter Ruf war mir sehr wichtig. Wenn ein Lehrer mit mir geschimpft hat, habe ich oft geweint.

Sport mochte ich nicht, denn ich war schüchtern. Aber ich bin gern spazieren gegangen. Nach der Schule wollte ich immer schnell nach Hause. Mein Vater war krank, und ich habe ihn gepflegt.

Einmal bin ich zu spät zum Sport gekommen. Der Lehrer hat mir nicht geglaubt und gesagt: „Du lügst.“ Das hat mir sehr wehgetan, denn ich konnte nicht beweisen, dass ich die Wahrheit gesagt hatte. So habe ich gelernt: Ein ehrlicher Mensch muss auch vorsichtig sein.

Geometrie war zuerst schwer, später aber leicht. Sanskrit wollte ich zuerst aufgeben. Doch mein Lehrer war freundlich und hat gesagt: „Komm zurück in meinen Unterricht.“ Heute bin ich ihm dankbar.

Teil I · Kapitel 6: Eine Tragödie

In der Schule hatte ich einen Freund. Meine Familie hat mich vor ihm gewarnt. Aber ich dachte: „Ich kann ihn besser machen.“ Das war ein Fehler.

Mein Freund hat gesagt: „Wir Inder sind schwach, weil wir kein Fleisch essen. Die Engländer sind stark, und deshalb herrschen sie über uns.“

Ich hatte oft Angst im Dunkeln – vor Dieben, Geistern und Schlangen. Meine Frau war mutiger als ich. Mein Freund hat gesagt: „Auch das kommt vom Fleisch. Iss Fleisch, dann wirst du mutig und stark.“

Ich wollte stark sein. Ich dachte: Wenn alle Inder Fleisch essen, können wir die Engländer besiegen und frei werden. Aber meine Eltern waren streng religiös und gegen Fleisch. Also habe ich es heimlich gemacht. Ich wusste: Das war nicht ehrlich.

Teil I · Kapitel 7: Eine Tragödie (Teil 2)

Endlich habe ich Fleisch gegessen. Aber es hat mir nicht geschmeckt, und in der Nacht hatte ich schlechte Träume.

Wenn ich heimlich gegessen hatte, konnte ich zu Hause nichts essen. Dann habe ich meiner Mutter gesagt: „Ich habe keinen Hunger.“ Aber das war eine Lüge, und das hat mir wehgetan.

Da habe ich gedacht: Meine Eltern anzulügen ist schlimmer, als kein Fleisch zu essen. Also habe ich aufgehört. Solange meine Eltern gelebt haben, habe ich nie wieder Fleisch gegessen.

Mein Freund war keine gute Gesellschaft. Einmal hat er mich an einen schlechten Ort gebracht. Aber ich bin schnell wieder weggegangen. Später war ich froh darüber.

Dieser Freund hat mich auch misstrauisch gegen meine Frau gemacht. Oft war ich ungerecht zu ihr. Das tut mir bis heute leid. Später habe ich verstanden: Eine Frau ist kein Diener. Sie ist eine gleichberechtigte Partnerin.

Teil I · Kapitel 8: Stehlen und Wiedergutmachung

Als Junge habe ich angefangen zu rauchen. Mein Onkel hat geraucht, und ich wollte das auch. Aber ich hatte kein Geld. Also habe ich kleine Münzen gestohlen, um Zigaretten zu kaufen. Das war falsch.

Später habe ich etwas Schlimmeres getan. Mein Bruder hatte Schulden. Ich habe ein kleines Stück Gold von ihm gestohlen, um die Schulden zu bezahlen.

Danach war ich sehr unruhig. Ich wollte nie wieder stehlen. Und ich wollte es meinem Vater sagen. Aber ich hatte Angst, ihm wehzutun. Also habe ich einen Brief geschrieben. Darin habe ich alles erklärt und um eine Strafe gebeten.

Mein Vater war krank und lag im Bett. Er hat den Brief gelesen. Dann sind Tränen über seine Wangen gelaufen. Er hat nichts Böses gesagt. Er war ganz ruhig.

Diese Tränen haben mein Herz gereinigt. Ich habe verstanden: Liebe ist stärker als Wut. Das war für mich eine wichtige Lektion.

Teil I · Kapitel 9: Der Tod meines Vaters

Ich war sechzehn Jahre alt. Mein Vater war sehr krank und lag im Bett. Jede Nacht habe ich ihn gepflegt und seine Beine massiert. Ich habe das gern gemacht.

In dieser Zeit hat meine Frau ein Kind erwartet.

Eines Nachts war ich müde. Mein Onkel hat gesagt: „Geh schlafen, ich bleibe bei deinem Vater.“ Also bin ich in mein Zimmer gegangen. Wenige Minuten später hat ein Diener an die Tür geklopft: „Steh auf! Dein Vater ist gestorben.“

Ich war nicht bei ihm, als er gestorben ist. Das hat mir sehr leidgetan. Bis heute kann ich es nicht vergessen.

Kurz danach ist auch unser Baby gestorben. Es war erst ein paar Tage alt. Diese traurige Zeit hat mich vieles gelehrt.

Teil I · Kapitel 10: Erste Erfahrungen mit Religion

In der Schule habe ich viel gelernt, aber nichts über Religion. Trotzdem habe ich überall ein bisschen etwas aufgenommen.

Als Kind hatte ich Angst vor Geistern. Eine alte Frau in unserem Haus, Rambha, hat mir geholfen. Sie hat gesagt: „Wiederhole den Namen Gottes, dann hast du keine Angst mehr.“ Das hat mir geholfen, und ich erinnere mich bis heute daran.

Mein Vater hatte Freunde aus vielen Religionen: Hindus, Jains, Muslime und Parsen. Sie haben oft über ihren Glauben gesprochen, und mein Vater hat ihnen mit Respekt zugehört. So habe ich gelernt, alle Religionen zu achten.

Nur das Christentum mochte ich damals nicht. Manche Leute haben schlecht über die Hindus und ihre Götter gesprochen. Das hat mir nicht gefallen.

Eine Sache war für mich aber ganz klar: Das Wichtigste im Leben ist die Moral. Und das Herz der Moral ist die Wahrheit. Ein Satz ist mir besonders wichtig geworden: „Antworte auf Böses mit Gutem.“

Teil I · Kapitel 11: Der Plan, nach England zu gehen

1887 habe ich meine Schule beendet. Dann bin ich an ein College gegangen. Aber ich habe fast nichts verstanden, und so bin ich nach Hause zurückgekehrt.

Ein Freund der Familie hatte eine Idee. Er hat gesagt: „Schickt den Jungen nach England. Dort kann er in drei Jahren Anwalt werden. Das ist gut für die ganze Familie.“ Diese Idee hat mir sehr gefallen, denn das Lernen am College war schwer für mich.

Mein Bruder hat sich Sorgen um das Geld gemacht. Meine Mutter hatte Angst. Sie hat gesagt: „In England trinken die jungen Männer Alkohol und essen Fleisch. Kann ich dir wirklich vertrauen?“

Ich habe versprochen: „Ich trinke keinen Wein, ich esse kein Fleisch, und ich tue nichts Schlechtes.“ Ein Mönch hat mir geholfen, dieses Versprechen feierlich abzulegen. Danach hat meine Mutter Ja gesagt.

Ich war glücklich und voller Pläne. Bald bin ich nach Bombay gereist.

Teil I · Kapitel 12: Ausgestoßen

In Bombay musste ich lange warten. Im Sommer war das Meer zu gefährlich für eine Reise.

Meine Kaste war gegen mich. Vor mir war noch niemand aus unserer Gruppe nach England gefahren. Die Leute haben gesagt: „Eine Reise über das Meer ist gegen unsere Religion.“ Man hat mich zu einer Versammlung gerufen.

Der Anführer hat gesagt: „Du darfst nicht nach England gehen.“ Ich habe geantwortet: „Es tut mir leid, aber ich habe mich entschieden. Ich gehe.“

Da wurde er wütend und hat gesagt: „Von heute an gehörst du nicht mehr zu uns. Wer dir hilft, muss eine Strafe zahlen.“

Aber ich habe meine Meinung nicht geändert. Mein Bruder hat mir geholfen, und auch ein Freund der Familie. So konnte ich endlich die Schiffsreise bezahlen.

Am 4. September bin ich mit dem Schiff von Bombay losgefahren. Endlich war ich auf dem Weg nach England.

Teil I · Kapitel 13: In London angekommen

Auf dem Schiff war ich sehr schüchtern. Mein Englisch war schlecht, und ich hatte Angst zu sprechen. Deshalb habe ich allein in meiner Kabine gegessen.

Ein englischer Passagier hat gesagt: „In England kann man ohne Fleisch nicht leben. Es ist dort zu kalt.“ Ich habe geantwortet: „Ich habe meiner Mutter ein Versprechen gegeben. Lieber gehe ich zurück nach Indien, als Fleisch zu essen.“

In England war alles fremd. Ich trug weiße Kleidung, aber niemand sonst. Das war mir peinlich.

Ein Freund, Dr. Mehta, hat mir geholfen. Er hat mir die englischen Sitten erklärt: „Fass die Dinge anderer Leute nicht an. Sprich nicht so laut.“

In den ersten Wochen war ich oft traurig. Ich habe mein Zuhause und meine Mutter sehr vermisst. Nachts habe ich manchmal geweint. Aber ich habe gedacht: Ich bleibe drei Jahre und mache meine Ausbildung fertig.

Teil I · Kapitel 14: Meine Entscheidung

Das Essen war ein großes Problem. Ich hatte fast immer Hunger. Es gab Brot, Haferbrei und Gemüse, aber alles ohne Geschmack.

Ein Freund hat oft gesagt: „Iss doch Fleisch! Dein Versprechen ist nicht wichtig.“ Aber ich habe immer Nein gesagt.

Ich bin jeden Tag viele Kilometer gelaufen und habe ein vegetarisches Restaurant gesucht. Endlich habe ich eins gefunden. Dort habe ich zum ersten Mal richtig satt gegessen. Ich war so glücklich!

Vor dem Restaurant habe ich ein Buch über Vegetarismus gekauft und gelesen. Danach war für mich alles klar: Ich aß jetzt kein Fleisch mehr, weil ich es selbst so wollte – nicht nur wegen des Versprechens. Von da an wurde der Vegetarismus eine wichtige Aufgabe in meinem Leben.

Teil I · Kapitel 15: Den englischen Gentleman spielen

Eine Zeit lang wollte ich ein echter englischer Gentleman sein. Ich habe teure Kleidung gekauft: einen hohen Hut, einen schönen Anzug und eine goldene Uhrkette. Jeden Morgen habe ich lange vor dem Spiegel gestanden.

Ich habe auch Stunden genommen: Tanzen, Französisch und Reden vor Leuten. Sogar Geige wollte ich lernen.

Aber dann habe ich nachgedacht. Ich bleibe nicht für immer in England. Ich bin ein Student und muss lernen. Tanzen und ein hoher Hut machen aus mir keinen guten Menschen.

Also habe ich mit diesen teuren Hobbys aufgehört. Das Ganze hat nur etwa drei Monate gedauert. Danach war ich wieder ein ernster Student.

Teil I · Kapitel 16: Sparen und einfacher leben

In England habe ich angefangen, über jedes Geld Buch zu führen. Jeden Abend habe ich aufgeschrieben, was ich ausgegeben hatte. Diese Gewohnheit habe ich mein ganzes Leben behalten.

Ich wollte weniger Geld ausgeben. Also bin ich in eine kleine Wohnung gezogen. Ich bin überall zu Fuß gegangen, oft acht oder zehn Kilometer am Tag. Das war gut für meine Gesundheit.

Ich hatte viel Zeit, also habe ich noch eine schwere Prüfung gemacht. Dafür musste ich Latein und Französisch lernen. Beim ersten Mal bin ich in Latein durchgefallen, aber ich habe nicht aufgegeben.

Mein Leben wurde immer einfacher. Ich hatte nur noch ein Zimmer und habe mein Frühstück selbst gekocht. Ich habe wenig Geld gebraucht und war trotzdem glücklich. Mein Leben war jetzt ehrlicher, und das hat mir gutgetan.

Teil I · Kapitel 17: Versuche mit dem Essen

In England habe ich viele Bücher über das Essen gelesen. Jetzt war ich ganz sicher: Vegetarisch zu essen ist richtig. Ich bin in einen Verein für Vegetarier eingetreten.

Ich habe etwas Wichtiges verstanden: Der Geschmack sitzt nicht nur auf der Zunge, sondern auch im Kopf. Das Gemüse ohne Gewürze, das mir früher nicht geschmeckt hat, hat mir jetzt geschmeckt.

Ich habe viel ausprobiert. Einmal habe ich Eier gegessen, denn jemand hat gesagt: „Eier sind kein Fleisch.“ Aber dann habe ich gedacht: Meine Mutter hat auch Eier gemeint. Also habe ich sie wieder weggelassen.

Daraus habe ich eine Lektion gelernt: Wenn man ein Versprechen gibt, soll man es ehrlich halten – so, wie die andere Person es gemeint hat. Man soll die Worte nicht zu seinem eigenen Vorteil drehen.

Teil I · Kapitel 18: Meine Schüchternheit

Ich war in einem Verein, aber ich war sehr schüchtern. Bei den Treffen konnte ich nie sprechen. Die anderen wussten, glaube ich, viel mehr als ich.

Einmal gab es eine wichtige Frage. Ich hatte eine Meinung, aber ich konnte nicht reden. Also habe ich meine Worte aufgeschrieben. Sogar das Vorlesen war mir zu schwer, und ein anderer hat meinen Text gelesen.

Diese Schüchternheit hatte ich die ganze Zeit in England. Reden vor Leuten war für mich fast unmöglich. Erst viele Jahre später, in Südafrika, wurde es ein bisschen besser.

Aber heute weiß ich: Meine Schüchternheit war auch ein Geschenk. Ich habe gelernt, wenig zu reden und vorher gut nachzudenken. So habe ich fast nie ein falsches Wort gesagt. Schweigen hat mir geholfen, die Wahrheit zu finden.

Teil I · Kapitel 19: Die Lüge

Viele indische Studenten in England haben gesagt, sie seien nicht verheiratet. So konnten sie mit jungen Frauen ausgehen. Auch ich habe das getan, obwohl ich eine Frau und einen Sohn hatte. Das war eine Lüge, und ich war nicht glücklich damit.

Eine ältere Dame war sehr freundlich zu mir. Sie hat mich oft eingeladen und mir junge Frauen vorgestellt. Sie dachte: Vielleicht heiratet er eine von ihnen.

Da habe ich mich geschämt. Ich habe ihr einen ehrlichen Brief geschrieben: „Ich muss Ihnen die Wahrheit sagen. Ich bin schon verheiratet und habe einen Sohn. Es tut mir leid, dass ich das so lange verschwiegen habe. Bitte verzeihen Sie mir.“

Ihre Antwort war sehr lieb. Sie hat über meinen Brief gelacht und gesagt: „Unsere Freundschaft bleibt gleich.“ So bin ich die Lüge losgeworden. Danach habe ich nie wieder verschwiegen, dass ich verheiratet bin.

Teil I · Kapitel 20: Religionen kennenlernen

In England habe ich angefangen, mich für Religionen zu interessieren. Zwei Freunde haben mir die Bhagavadgita gezeigt, ein heiliges Buch aus Indien. Es hat mich tief beeindruckt. Später ist es eines meiner wichtigsten Bücher geworden.

Ich habe auch ein Buch über Buddha gelesen.

Ein christlicher Freund hat mir die Bibel gegeben. Das Alte Testament war für mich schwer. Aber das Neue Testament hat mein Herz berührt, besonders die Worte: „Wenn dich jemand auf die eine Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“

Ich habe gemerkt: In vielen Religionen gibt es dieselbe Idee – antworte auf Böses mit Gutem. Von da an wollte ich alle großen Religionen kennenlernen.

Teil I · Kapitel 21: Gott hilft den Schwachen

Nur Bücher über Religion zu lesen, reicht nicht. Das habe ich in einer schweren Stunde gelernt.

Bei einer Konferenz haben wir in einem Haus gewohnt, das kein guter Ort war. Eines Abends haben wir Karten gespielt. Ich war fast in Gefahr, etwas Falsches zu tun. Da hat mein Begleiter mich gewarnt: „Geh schnell weg!“

Ich habe an mein Versprechen gedacht und bin sofort in mein Zimmer gegangen. Mein Herz hat stark geklopft. Am nächsten Tag bin ich abgereist.

Ich habe gefühlt: Gott hat mich beschützt. Seitdem weiß ich, dass das Gebet etwas Echtes ist. Es macht das Herz rein. Aber man muss dabei bescheiden sein.

Teil I · Kapitel 22: Narayan Hemchandra

In England habe ich einen Schriftsteller kennengelernt: Narayan Hemchandra. Er trug einfache, indische Kleidung und konnte kein Englisch. Aber das war ihm egal. Er war freundlich und voller Mut.

Er wollte von mir Englisch lernen, und so sind wir schnell Freunde geworden. Wir waren beide Vegetarier und haben oft zusammen gegessen.

Narayan hatte große Pläne. Er wollte viele Sprachen lernen und in viele Länder reisen – nach Frankreich, Deutschland und Amerika. Er hatte wenig Geld, aber das hat ihn nicht gestört. Er ist immer ganz einfach gereist.

Die Leute auf der Straße haben ihn manchmal angestarrt, weil seine Kleidung so anders war. Aber er hat nur gelacht und gesagt: „Große Menschen schauen nicht auf die Kleidung. Sie schauen auf das Herz.“

Teil I · Kapitel 23: Die große Ausstellung

1890 bin ich nach Paris gefahren. Dort gab es eine große Ausstellung und den neuen Eiffelturm aus Eisen, fast 300 Meter hoch.

Ich habe wenig Geld ausgegeben. Ich bin viel zu Fuß gegangen, nur mit einer Karte in der Hand. Einmal habe ich oben im Eiffelturm gegessen – nur, um sagen zu können: Ich habe ganz oben gegessen!

Am meisten haben mich aber die alten Kirchen beeindruckt, zum Beispiel Notre-Dame. Sie waren schön und ruhig. Die Menschen dort haben gebetet. Ich habe gefühlt: Sie beten nicht zu Stein, sondern zu Gott.

Der Eiffelturm war für mich wie ein großes Spielzeug. Wir Menschen sind oft wie Kinder: Etwas Neues und Großes zieht uns an.

Teil I · Kapitel 24: „Anwalt“ – und dann?

Um Anwalt zu werden, musste ich an besonderen Abendessen teilnehmen und zwei Prüfungen bestehen. Die Prüfungen waren leicht, und viele Studenten haben die Bücher gar nicht richtig gelesen.

Aber ich wollte ehrlich sein. Ich habe alle Gesetzesbücher gelesen, auch die schweren. Latein hat mir später in Südafrika sehr geholfen.

Am 10. Juni 1891 bin ich Anwalt geworden. Zwei Tage später bin ich mit dem Schiff nach Indien zurückgefahren.

Aber ich hatte trotzdem Angst. Ich hatte viel gelernt, aber ich fühlte mich noch nicht bereit für die Arbeit als Anwalt.

Teil I · Kapitel 25: Meine Hilflosigkeit

Anwalt zu werden war leicht. Aber als Anwalt zu arbeiten war schwer. Ich hatte die englischen Gesetze gelesen, aber ich wusste nichts über das indische Recht. Ich hatte Angst: Kann ich überhaupt Geld verdienen?

Ein freundlicher Engländer, Herr Pincutt, hat mir geholfen. Er hat gesagt: „Du musst kein großer, berühmter Anwalt sein. Ehrlichkeit und Fleiß reichen, um zu leben.“ Diese Worte haben mir Mut gemacht.

Er hat mir auch geraten: „Lies mehr über die Geschichte Indiens und über die Menschen.“ Ich habe es versucht, aber die Bücher waren schwer und haben mir nicht viel geholfen.

So bin ich nach Indien zurückgefahren – mit ein bisschen Hoffnung und ein bisschen Angst. In Bombay bin ich an Land gegangen.

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Teil II · Kapitel 1: Raychandbhai

Ich bin nach Indien zurückgekommen. Dort habe ich eine traurige Nachricht bekommen: Meine Mutter war gestorben, als ich noch in England war. Mein Bruder hatte es mir nicht geschrieben. Er wollte mich in der Ferne nicht traurig machen. Ich habe sehr um sie geweint.

In dieser Zeit habe ich einen jungen Mann kennengelernt: den Dichter Raychand. Er war erst etwa 25 Jahre alt, aber sehr klug und ehrlich. Er hat mit Diamanten gehandelt und war reich. Aber Geld war für ihn nicht wichtig. Am wichtigsten war für ihn die Suche nach Gott und der Wahrheit.

Raychand hat mich tief beeindruckt. Wenn ich Probleme in meinem Herzen hatte, bin ich zu ihm gegangen. Drei Menschen haben mein Leben besonders geprägt: Raychand durch seine Worte, und später zwei Schriftsteller, Tolstoi und Ruskin, durch ihre Bücher.

Teil II · Kapitel 2: Wie ich mein Leben begann

Mein Bruder hatte große Hoffnungen. Er dachte, ich würde bald viel Geld verdienen, und hat zu viel ausgegeben.

Meine Kaste war immer noch geteilt. Ein Teil hat mich wieder aufgenommen, der andere nicht. Aber ich habe nicht dagegen gekämpft. So gab es keinen Streit.

Mit meiner Frau hatte ich immer noch Probleme. Ich war zu eifersüchtig. Einmal habe ich sie sogar zu ihren Eltern zurückgeschickt. Heute weiß ich: Das war dumm von mir.

Zu Hause habe ich vieles „europäisch“ gemacht: Tee, Kaffee, europäische Kleidung. Das hat viel Geld gekostet.

In Rajkot konnte ich noch nicht als Anwalt arbeiten. Ich wusste zu wenig. Also bin ich nach Bombay gegangen, um Erfahrung zu sammeln. Ich habe gemerkt: Dieser Beruf ist viel Schein und wenig Wissen. Ich hatte ein schweres Gefühl von Verantwortung.

Teil II · Kapitel 3: Mein erster Fall

In Bombay habe ich das indische Recht studiert. Dann habe ich meinen ersten kleinen Fall bekommen.

Im Gericht musste ich einem Zeugen Fragen stellen. Ich bin aufgestanden, aber mein Kopf war ganz leer. Mir war schwindelig, und ich konnte keine einzige Frage stellen. Voller Scham habe ich mich wieder hingesetzt. Ich habe den Fall einem anderen Anwalt gegeben und mein Geld zurückgegeben.

Danach habe ich gedacht: Ich nehme keinen Fall mehr, bis ich genug Mut habe. Lange Zeit bin ich nicht mehr ins Gericht gegangen.

Texte und Briefe schreiben konnte ich aber gut. Ich wollte auch Englisch unterrichten, aber man hat mich abgelehnt, weil ich kein Universitätsdiplom hatte.

So bin ich von Bombay zurück nach Rajkot gegangen.

Teil II · Kapitel 4: Der erste Schock

In Rajkot habe ich Anträge und Briefe geschrieben und etwas Geld verdient.

Mein Bruder hatte ein Problem. Ein britischer Beamter war gegen ihn. Ich kannte diesen Beamten aus England. Mein Bruder hat gesagt: „Sprich mit ihm. Sag ein gutes Wort für mich.“ Ich wollte das nicht, aber ich bin trotzdem gegangen.

Der Beamte war kalt und unhöflich. Er hat gesagt: „Geh jetzt.“ Ich wollte aber weiterreden. Da hat er seinen Diener gerufen, und der Diener hat mich aus dem Zimmer gestoßen.

Ich war sehr wütend. Ein berühmter Anwalt hat mir geraten: „Vergiss die Beleidigung. Du kannst nichts gewinnen.“ Das war bitter, aber ich habe auf ihn gehört.

Ich habe mir aber etwas vorgenommen: Nie wieder benutze ich eine Freundschaft, um einen Vorteil zu bekommen. Dieser Schock hat mein Leben verändert.

Teil II · Kapitel 5: Vorbereitung auf Südafrika

In Rajkot war ich nicht glücklich. Überall gab es Intrigen, und der Streit mit dem Beamten war schlecht für meine Arbeit.

Da kam ein Angebot. Eine indische Firma hatte in Südafrika einen großen Fall vor Gericht. Sie hat gefragt: „Möchten Sie für ein Jahr zu uns nach Südafrika kommen? Sie helfen uns mit dem Fall und mit den englischen Briefen.“

Das Geld war nicht viel, und ich war dort mehr ein Helfer als ein Anwalt. Aber ich wollte Indien verlassen und ein neues Land sehen. Außerdem konnte ich meiner Familie Geld schicken.

Also habe ich Ja gesagt und mich auf die Reise nach Südafrika vorbereitet.

Teil II · Kapitel 6: Ankunft in Natal

Im April 1893 bin ich mit dem Schiff nach Südafrika gefahren. Der Abschied von meiner Frau war schwer, aber das neue Land hat mich auch gereizt.

Auf dem Schiff bin ich mit dem Kapitän Freunde geworden. Er hat mir Schach beigebracht.

An einem Hafen hat der Kapitän mich an einen schlechten Ort gebracht. Aber ich bin nur dagestanden und habe mich geschämt. Dann bin ich wieder hinausgegangen, ohne etwas Falsches zu tun. Ich habe Gott gedankt.

Ende Mai bin ich in Natal in Südafrika angekommen.

Teil II · Kapitel 7: Erste Erfahrungen

In Durban habe ich schnell gemerkt: Die Inder wurden nicht respektiert. Die Weißen haben alle Inder „Kulis“ genannt. Das war ein böses, beleidigendes Wort.

Meine Kleidung war anders: Ich trug einen Mantel und einen Turban.

Im Gericht hat der Richter gesagt: „Nimm deinen Turban ab.“ Ich habe das nicht gemacht und bin gegangen.

Den Turban abzunehmen wäre für mich eine Beleidigung gewesen. Also habe ich an die Zeitung geschrieben und mein Recht auf den Turban verteidigt. So bin ich in Südafrika schnell bekannt geworden.

Teil II · Kapitel 8: Auf dem Weg nach Pretoria

Für den großen Fall musste ich nach Pretoria reisen. Ich hatte ein Ticket für die erste Klasse.

Am Bahnhof von Maritzburg ist ein weißer Passagier in mein Abteil gekommen. Er hat gesehen, dass ich kein Weißer bin. Dann hat ein Beamter gesagt: „Du musst in einen anderen Wagen gehen.“ Ich habe geantwortet: „Aber ich habe ein Ticket für die erste Klasse.“ Das war ihm egal. Ein Polizist hat mich aus dem Zug gestoßen, mit meinem Gepäck.

Es war Winter und sehr kalt. Ich habe die ganze Nacht im dunklen Wartesaal gesessen und gefroren. Mein Mantel war im Gepäck, aber ich wollte nicht noch einmal beleidigt werden.

In dieser Nacht habe ich viel nachgedacht. Soll ich zurück nach Indien fahren? Nein. Ich habe entschieden: Ich bleibe und kämpfe gegen dieses Unrecht. Die Menschen werden nur wegen ihrer Hautfarbe schlecht behandelt. Das ist falsch.

Am nächsten Abend bin ich mit dem nächsten Zug weitergefahren.

Teil II · Kapitel 9: Noch mehr Schwierigkeiten

Die Reise ging mit einer Kutsche weiter. Ein weißer Mann hat mich nicht bei den weißen Passagieren sitzen lassen. Ich musste draußen sitzen.

Später wollte er meinen Platz haben. Er hat ein schmutziges Tuch auf den Boden gelegt und gesagt: „Setz dich hierhin.“ Das war zu viel für mich. Ich habe Nein gesagt. Da ist der Mann wütend geworden und hat mich geschlagen. Einige Passagiere haben gerufen: „Hör auf! Lass ihn in Ruhe!“ Dann hat er aufgehört.

In Johannesburg wollte ich ein Hotelzimmer. Aber man hat gesagt: „Wir sind voll.“ Das war nicht wahr. Sie wollten keinen Inder.

In dieser Region durften Inder nur dritter Klasse fahren. Aber ein freundlicher Bahnbeamter aus Holland hat mir ein Ticket für die erste Klasse gegeben.

Im Zug wollte mich ein Kontrolleur wieder wegschicken. Aber ein englischer Passagier hat mich verteidigt: „Lassen Sie den Herrn in Ruhe! Er hat ein Ticket für die erste Klasse.“ So bin ich endlich in Pretoria angekommen.

Teil II · Kapitel 10: Der erste Tag in Pretoria

In Pretoria hat mich niemand abgeholt. Ich hatte Angst: Kein Hotel nimmt mich auf.

Am Bahnhof hat mir ein freundlicher Amerikaner geholfen, ein schwarzer Mann. Er hat mich zu einem kleinen Hotel gebracht. Der Besitzer hat gesagt: „Sie können hier schlafen, aber bitte essen Sie auf Ihrem Zimmer. Meine anderen Gäste sind vielleicht nicht einverstanden.“

Später ist der Besitzer wiedergekommen. Er hat gesagt: „Ich habe die anderen Gäste gefragt. Es ist ihnen egal. Sie können mit uns im Speisesaal essen.“ Darüber habe ich mich gefreut.

Am nächsten Tag habe ich den Anwalt Herrn Baker getroffen. Er war Christ und sehr freundlich. Er hat mir ein Zimmer gefunden und mich zu seinen Gebeten eingeladen.

Ich habe gedacht: Ich will alle Religionen kennenlernen. Aber ich will meine eigene Religion nicht zu schnell aufgeben.

Teil II · Kapitel 11: Christliche Freunde

Ich bin oft zu den Gebeten von Herrn Baker gegangen. Dort habe ich nette Leute kennengelernt. Sie haben für mich gebetet und mir viele christliche Bücher gegeben. Wir haben über die Bücher gesprochen.

Sie wollten, dass ich Christ werde. Ein Freund, Herr Coates, hat meine Halskette gesehen. Es war ein Geschenk von meiner Mutter. Er wollte sie zerbrechen. Aber ich habe gesagt: „Nein. Das ist ein heiliges Geschenk von meiner Mutter.“

Ein anderer Mann hat gesagt: „Wir sind alle Sünder. Nur wer an Jesus glaubt, wird gerettet. Gute Taten helfen nicht.“ Das fand ich nicht richtig.

Ich habe geantwortet: „Ich will nicht nur Vergebung für meine Fehler. Ich will frei vom Bösen selbst werden.“ Die ehrlichen, guten Christen habe ich aber sehr respektiert.

Teil II · Kapitel 12: Kontakt mit den Indern

Ich wollte alle Inder in Pretoria kennenlernen und ihre Probleme verstehen. Also habe ich ein Treffen organisiert.

Dort habe ich meine erste öffentliche Rede gehalten. Mein Thema war: ehrlich sein im Geschäft. Viele dachten, im Geschäft sei Ehrlichkeit nicht möglich. Aber ich war anderer Meinung.

Ich habe gesagt: „Vergesst die Unterschiede zwischen Hindus, Muslimen und anderen. Wir müssen zusammenhalten.“ Ich habe auch angeboten, Englisch zu unterrichten, und ein paar Männer haben bei mir gelernt.

Langsam habe ich angefangen, für bessere Rechte zu kämpfen, zum Beispiel beim Zugfahren. Diese Arbeit wurde später sehr wichtig für mein Leben.

Teil II · Kapitel 13: Was es heißt, ein „Kuli“ zu sein

Die Gesetze gegen die Inder waren sehr hart. Sie mussten eine besondere Steuer zahlen. Sie durften kein Land frei kaufen und nicht wählen. Sie durften nicht auf dem Gehweg gehen und abends nach neun Uhr nicht ohne Erlaubnis draußen sein.

Eines Tages bin ich auf dem Gehweg gegangen. Plötzlich hat mich ein Polizist ohne Warnung auf die Straße gestoßen und getreten.

Ein Freund hat alles gesehen. Er hat gesagt: „Geh vor Gericht! Ich bin dein Zeuge.“ Aber ich wollte nicht klagen. Ich habe gesagt: „Der arme Mann weiß es nicht besser. Für ihn sehen alle dunklen Menschen gleich aus.“

Für mich war jetzt klar: Südafrika war kein gutes Land für die Inder. Ich wollte ihnen noch mehr helfen.

Teil II · Kapitel 14: Vorbereitung auf den Fall

Das Jahr in Pretoria war sehr wertvoll für mich. Der große Fall war schwierig, und es ging um sehr viel Geld.

Ich habe hart gearbeitet und alle Fakten genau studiert. Dabei habe ich etwas Wichtiges gelernt: Am wichtigsten sind die Fakten und die Wahrheit. Wenn die Wahrheit auf deiner Seite ist, hilft dir das Gesetz von selbst.

Die zwei Männer im Streit waren Verwandte. Ein langer Prozess hätte beide ruiniert. Deshalb habe ich gesagt: „Lasst uns den Streit ohne Gericht lösen.“ Am Ende hat mein Klient gewonnen. Aber der andere Mann durfte das Geld langsam, in kleinen Teilen, zurückzahlen. So musste er nicht alles auf einmal zahlen.

Beide waren zufrieden. Ich habe verstanden: Die echte Aufgabe eines Anwalts ist es, Menschen zusammenzubringen, nicht sie zu trennen.

Teil II · Kapitel 15: Religiöse Suche

Herr Baker hat mich zu einem großen christlichen Treffen mitgenommen. Er hat gehofft, dass ich Christ werde. Ich habe ihren Glauben respektiert. Aber ich konnte nicht glauben, dass man nur als Christ gerettet wird.

Ich habe auch Fehler in meiner eigenen Religion, dem Hinduismus, gesehen, zum Beispiel die schlechte Behandlung von manchen Menschen.

Ich habe viele Bücher über verschiedene Religionen gelesen. Mein Freund Raychand hat mir geschrieben: „Hab Geduld und studiere deine eigene Religion tiefer.“ Ein Buch von Tolstoi hat mich besonders beeindruckt.

Den christlichen Freunden bin ich dankbar. Sie haben in mir die Suche nach Gott geweckt.

Teil II · Kapitel 16: Der Mensch plant, Gott lenkt

Nach dem Fall wollte ich nach Indien zurückfahren. Bei einer Abschiedsfeier habe ich in der Zeitung etwas gelesen: Ein neues Gesetz sollte den Indern das Wahlrecht wegnehmen.

Ich habe verstanden, wie ernst das war. Die anderen Inder kannten sich mit Politik nicht aus. Ich habe ihnen alles erklärt.

Da haben sie gesagt: „Bleib noch einen Monat hier und hilf uns im Kampf!“ Ich habe geantwortet: „Für öffentliche Arbeit nehme ich kein Geld. Aber wir brauchen etwas Geld für die Arbeit selbst, und wir brauchen viele Helfer.“

So wurde aus der Abschiedsfeier eine Arbeitsgruppe. Das war der Anfang meines Kampfes für die Rechte der Inder in Südafrika.

Teil II · Kapitel 17: Ich bleibe in Natal

Wir haben uns getroffen und beschlossen, gegen das Gesetz zu kämpfen. Viele Inder haben mitgemacht: Händler, junge Leute, Christen, Hindus und Muslime. Alle Unterschiede waren vergessen.

Wir haben Telegramme geschickt und in einer einzigen Nacht eine Petition geschrieben. Viele Menschen haben unterschrieben. Das Gesetz wurde trotzdem angenommen. Aber der Kampf hat die Inder zusammengebracht.

Danach haben wir eine noch größere Petition gemacht – mit 10.000 Unterschriften. Sogar Zeitungen in Indien und England haben uns unterstützt.

Die Inder wollten, dass ich für immer bleibe. Ich wollte aber kein Geld für die öffentliche Arbeit nehmen. Also habe ich gesagt: „Ich bleibe, wenn ihr mir genug normale Arbeit als Anwalt gebt.“ Etwa zwanzig Händler haben das gemacht. So bin ich in Natal geblieben.

Teil II · Kapitel 18: Die Hautfarben-Schranke

Ich wollte Anwalt am höchsten Gericht werden. Aber die Anwaltsvereinigung war dagegen. Der Grund war nur meine Hautfarbe. Sie hatten Angst: Vielleicht kommen bald zu viele dunkle Anwälte.

Der oberste Richter hat aber gesagt: „Das Gesetz macht keinen Unterschied zwischen Weiß und Dunkel. Herr Gandhi darf Anwalt werden.“ So bin ich Anwalt geworden.

Dann hat der Richter gesagt: „Nehmen Sie im Gericht Ihren Turban ab.“ Diesmal habe ich es getan. Ich wollte meine Kraft für größere Kämpfe sparen.

Meine Freunde waren nicht zufrieden. Aber ich habe gelernt: Manchmal ist ein Kompromiss gut und wichtig.

Teil II · Kapitel 19: Der Indische Kongress in Natal

Der Kampf musste weitergehen. Deshalb habe ich eine feste Organisation gegründet: den Indischen Kongress in Natal. Die Mitglieder haben jeden Monat etwas Geld bezahlt.

Ich habe gelernt: Man darf für öffentliche Arbeit kein geliehenes Geld benutzen, und man muss sehr genau Buch führen.

Bei den Treffen haben viele Inder zum ersten Mal gelernt, vor anderen Leuten zu sprechen. Wir haben auch kleine Hefte geschrieben, um über die Probleme der Inder zu informieren.

So haben wir viele neue Freunde gewonnen und einen klaren Plan für die Zukunft.

Teil II · Kapitel 20: Balasundaram

Eines Tages ist ein armer Arbeiter zu mir gekommen: Balasundaram. Sein Mund hat geblutet, und zwei Zähne waren kaputt. Sein Chef hatte ihn schwer geschlagen.

Diese Arbeiter hatten fast keine Rechte. Sie waren fast wie Sklaven.

Ich habe ihm geholfen. Ich bin mit ihm zum Arzt und zum Richter gegangen. Am Ende durfte Balasundaram zu einem besseren Chef wechseln.

Diese Geschichte hat sich schnell verbreitet. Viele arme Arbeiter sind danach zu mir gekommen. Ich war ihr Freund.

Eine Sache hat mich traurig gemacht: Balasundaram hat vor mir seinen Hut abgenommen, aus Respekt. Aber das wollte ich nicht. Warum fühlen sich manche Menschen groß, wenn sie andere klein machen? Das habe ich nie verstanden.

Teil II · Kapitel 21: Die 3-Pfund-Steuer

1894 wollte die Regierung von den indischen Arbeitern eine hohe Steuer verlangen.

Warum? Die Inder waren als Arbeiter nach Südafrika gekommen. Viele sind geblieben und wurden Bauern und Händler. Sie hatten Erfolg. Die weißen Händler wurden neidisch. So kamen immer mehr Gesetze gegen die Inder.

Am Ende war die Steuer etwas niedriger, aber sie blieb. Für die armen Familien war sie trotzdem zu hoch und ungerecht.

Unser Kongress hat dagegen gekämpft. Es hat zwanzig Jahre gedauert, und viele Menschen haben sehr gelitten. Aber am Ende wurde die Steuer abgeschafft. Die Wahrheit hat gewonnen.

Teil II · Kapitel 22: Religionen vergleichen

Meine Arbeit für die Menschen kam aus meinem Wunsch, Gott zu finden.

Ich habe weiter viele Bücher über Religionen gelesen – über den Hinduismus, über den Islam und über andere. Ich habe alle Religionen respektiert. Besonders wichtig war für mich Tolstoi und seine Idee von der Liebe zu allen Menschen.

Einmal war ich oft bei einer christlichen Familie zu Gast. Ich habe dem kleinen Sohn gesagt, dass Obst besser ist als Fleisch. Danach wollte der Junge kein Fleisch mehr essen. Die Mutter hat gesagt: „Bitte kommen Sie nicht mehr.“ Ich habe es verstanden und freundlich Ja gesagt. Unsere Freundschaft ist aber geblieben.

Teil II · Kapitel 23: Als Hausherr

In Natal hatte ich ein schönes Haus. Oft hatte ich Gäste, und ein paar Angestellte haben bei mir gewohnt.

Einem Mann habe ich besonders vertraut. Aber er war nicht ehrlich. Wegen ihm habe ich einen anderen, unschuldigen Angestellten falsch verdächtigt. Dieser Mann hat mein Haus traurig verlassen. Das tut mir bis heute leid.

Eines Tages hat mich mein neuer Koch nach Hause gerufen. So habe ich gesehen: Der Mann, dem ich vertraut hatte, hatte in meinem Haus Schlechtes getan. Ich habe ihn sofort weggeschickt.

Ich habe daraus gelernt: Für ein gutes Ziel darf man keine schlechten Mittel benutzen. Ich hatte einem schlechten Menschen vertraut, und das war fast mein Untergang.

Teil II · Kapitel 24: Heimwärts

Nach drei Jahren wollte ich für sechs Monate nach Indien fahren. Ich wollte meine Frau und meine Kinder holen. Und ich wollte den Menschen in Indien von den Problemen der Inder in Südafrika erzählen.

Auf dem Schiff habe ich Sprachen gelernt: Tamil und Urdu. So konnte ich später mit mehr meiner Landsleute sprechen.

Der Kapitän war ein gläubiger Christ. Er hat gesagt: Nur der Glaube ist wichtig, nicht die Moral. Ich aber dachte: Religion und Moral gehören zusammen.

In Kalkutta bin ich an Land gegangen und mit dem Zug nach Bombay gefahren.

Teil II · Kapitel 25: In Indien

In Indien habe ich ein kleines Buch geschrieben. Darin habe ich über die Probleme der Inder in Südafrika berichtet. Kinder aus meiner Stadt haben mir geholfen, die Hefte fertig zu machen.

In dieser Zeit kam eine gefährliche Krankheit, die Pest, in die Nähe. Ich bin in eine Gruppe eingetreten, die die Sauberkeit der Häuser kontrolliert hat.

Dabei habe ich etwas Interessantes gesehen: Die armen Leute hielten ihre Häuser sauber. Manche reiche Leute aber hatten schmutzige Häuser und wollten keine Hilfe. Es hat mich traurig gemacht, dass sogar ein Tempel nicht sauber war.

Teil II · Kapitel 26: Zwei Leidenschaften

Ich hatte zwei starke Leidenschaften.

Die erste war meine Treue zu Großbritannien. Damals dachte ich: Die britische Herrschaft ist im Großen und Ganzen gut. (Später habe ich anders gedacht.)

Die zweite war die Pflege von kranken Menschen. Ich habe es geliebt, Kranke zu pflegen, Freunde und Fremde. Mein Schwager war sehr krank. Ich habe ihn Tag und Nacht gepflegt, bis er gestorben ist.

In Bombay habe ich wichtige indische Politiker getroffen. Sie haben mir geholfen, Treffen über die Lage in Südafrika zu organisieren.

Teil II · Kapitel 27: Das Treffen in Bombay

Einen Tag nach dem Tod meines Schwagers musste ich in Bombay eine große Rede halten. Ich war sehr müde, und meine Stimme war schwach.

Im Saal waren viele Menschen. Meine Stimme war zu leise. Deshalb hat ein Freund, Herr Wacha, meine Rede vorgelesen. Die Leute haben aufmerksam zugehört. Das Treffen war ein Erfolg.

Ein Freund hat mir geraten: „Bleib in Indien und arbeite für dein eigenes Land.“ Ich habe ihn respektiert. Aber ich wollte den Indern in Südafrika weiter helfen. Also bin ich fest bei meinem Plan geblieben.

Teil II · Kapitel 28: Poona und Madras

Ich wollte Hilfe von allen Seiten. In Poona habe ich wichtige Politiker getroffen. Einen Mann, Gokhale, habe ich besonders gemocht. Er war freundlich wie ein guter Vater, und wir wurden gleich Freunde.

Danach bin ich nach Madras gefahren. Dort waren die Menschen sehr begeistert. Sie kannten die Geschichte von Balasundaram. Meine Rede und mein kleines Buch waren sehr beliebt.

Obwohl ich nur Englisch gesprochen habe, habe ich mich überall zu Hause gefühlt. Welche Mauer kann die Liebe nicht durchbrechen?

Teil II · Kapitel 29: „Komm schnell zurück“

In Kalkutta war es schwer. Ich kannte dort niemanden. Einige Zeitungsleute waren unhöflich zu mir. Aber ich habe ihre Lage verstanden.

Ein englischer Redakteur, Herr Saunders, ist mein Freund geworden und hat mir sehr geholfen. Er hat gemocht, dass ich immer bei der Wahrheit blieb und nie übertrieben habe.

Dabei habe ich etwas gelernt: Man bekommt am schnellsten Gerechtigkeit, wenn man auch zur anderen Seite gerecht ist.

Dann kam ein Telegramm aus Durban: „Komm schnell zurück.“ Also bin ich nach Südafrika zurückgefahren – diesmal mit meiner Frau und meinen Kindern.

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Teil III · Kapitel 1: Der Sturm zieht auf

Zum ersten Mal bin ich mit meiner Frau und meinen Kindern gereist. Ich wollte, dass sie „modern“ aussehen. Also mussten sie europäische Kleidung tragen, mit Schuhen und Strümpfen, und mit Messer und Gabel essen. Das war für sie unangenehm. Später habe ich diese Ideen wieder aufgegeben.

Vier Tage vor Natal kam ein schwerer Sturm. Das Schiff hat stark geschwankt, und die Passagiere hatten große Angst. Alle haben zusammen gebetet – Hindus, Muslime und Christen. Es gab nur einen Gott für alle.

Nach einem Tag war der Sturm vorbei. Die Sonne kam wieder, und die Menschen waren froh. Aber dann haben sie Gott schnell wieder vergessen.

Durch den Sturm bin ich mit den Passagieren Freunde geworden. Aber der echte Sturm sollte erst noch kommen – an Land.

Teil III · Kapitel 2: Der Sturm

In Durban durften wir nicht sofort an Land. Man hat das Schiff 23 Tage in Quarantäne gehalten. Der wahre Grund war aber nicht die Gesundheit. Die Weißen wollten, dass wir nach Indien zurückfahren.

Jeden Tag haben sie große Versammlungen gehalten und uns gedroht: „Fahrt zurück, oder wir werfen euch ins Meer!“ Ich war ihr Hauptziel. Sie haben gesagt, ich hätte in Indien schlecht über sie geredet und zu viele Inder nach Natal gebracht. Aber das war nicht wahr.

Der Kapitän hat mich gefragt: „Was machen Sie, wenn die Weißen Sie angreifen?“ Ich habe geantwortet: „Ich werde ihnen verzeihen. Sie wissen es nicht besser, und ich bin nicht wütend auf sie.“

Nach 23 Tagen durften wir endlich an Land.

Teil III · Kapitel 3: Die Prüfung

Als ich an Land ging, hat mich eine wütende Menge erkannt. Die Leute haben mit Steinen und faulen Eiern geworfen. Sie haben mir den Turban weggenommen und mich geschlagen und getreten. Ich bin fast ohnmächtig geworden.

Da kam eine mutige Frau, die Frau des Polizeichefs. Sie hat ihren Schirm aufgemacht und sich zwischen mich und die Menge gestellt. So hat sie mich beschützt. Dann ist die Polizei gekommen und hat mich in ein Haus gebracht.

Die Menge hat das Haus umstellt und gerufen: „Wir wollen Gandhi!“ Am Ende bin ich verkleidet als Polizist aus dem Haus geflohen.

Später wollte die Regierung die Angreifer bestrafen. Aber ich habe gesagt: „Nein. Die Leute sind nicht schuld. Man hat ihnen falsche Dinge über mich erzählt.“ Diese Antwort hat viele Menschen beeindruckt.

Teil III · Kapitel 4: Die Ruhe nach dem Sturm

Nach dem Angriff habe ich einer Zeitung ein Interview gegeben. Ich konnte alle falschen Vorwürfe widerlegen.

Weil ich die Angreifer nicht bestrafen wollte, haben sich viele Weiße geschämt. Die Zeitungen haben geschrieben: Gandhi ist unschuldig. So wurde aus dem Angriff am Ende etwas Gutes. Die Inder wurden mehr respektiert, und meine Arbeit wurde leichter.

Aber es gab auch neue, harte Gesetze gegen die Inder. Meine öffentliche Arbeit wurde immer mehr. Ich habe Geld für den Kongress gesammelt und sogar ein Haus gekauft.

Später habe ich gedacht: Eine gute Organisation sollte nicht von altem, festem Geld leben, sondern jedes Jahr neu von den Menschen unterstützt werden.

Teil III · Kapitel 5: Die Erziehung der Kinder

In Durban hatte ich drei Kinder. Wo sollten sie zur Schule gehen? Die guten Schulen waren nur für weiße Kinder. Die anderen Schulen haben mir nicht gefallen.

Also habe ich eine Lehrerin angestellt, und ich selbst habe ihnen Gujarati beigebracht. Aber das war nicht genug. Später haben meine Söhne gesagt: „Wir hätten gern mehr in der Schule gelernt.“

Trotzdem glaube ich: Es war richtig, die Kinder bei mir zu behalten. Sie haben von mir Einfachheit, Freiheit und den Dienst an anderen Menschen gelernt. Diese Dinge sind wichtiger als ein Diplom. Wenn man zwischen Freiheit und Wissen wählen muss, ist die Freiheit wichtiger.

Teil III · Kapitel 6: Der Geist des Dienens

Meine Arbeit als Anwalt lief gut. Aber das hat mir nicht gereicht. Ich wollte den Menschen direkt helfen.

Eines Tages kam ein kranker Mann zu meiner Tür. Ich habe ihn nicht weggeschickt. Ich habe seine Wunden versorgt und für ihn gesorgt.

Jeden Morgen habe ich zwei Stunden in einem kleinen Krankenhaus geholfen. So bin ich vielen armen, kranken Indern nahegekommen.

Ich habe auch viel über die Pflege von Babys gelernt. Bei der Geburt meines letzten Kindes war kein Arzt da. Also habe ich selbst geholfen. Ich glaube: Eltern sollten wissen, wie man kleine Kinder pflegt.

Teil III · Kapitel 7: Selbstbeherrschung (Brahmacharya), Teil 1

In Südafrika habe ich angefangen, über ein Leben mit strenger Selbstbeherrschung nachzudenken.

Mein Freund Raychand hat mir eine wichtige Frage gestellt. Ich hatte eine Frau gelobt, weil sie ihrem Mann treu diente. Raychand hat gefragt: „Ist der treue Dienst nicht noch schöner, wenn man ihn für alle Menschen tut, nicht nur für den eigenen Mann?“ Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Selbstloser Dienst an allen Menschen ist das Wichtigste.

Ich wollte mein ganzes Leben den Menschen widmen. Dafür wollte ich auf vieles verzichten: auf den Wunsch nach mehr Kindern und nach Reichtum.

Zuerst war das sehr schwer. Aber 1906 habe ich ein festes Versprechen gegeben. Ich habe gelernt: Ein festes Versprechen macht den Menschen nicht unfrei, sondern frei.

Teil III · Kapitel 8: Selbstbeherrschung (Brahmacharya), Teil 2

1906 habe ich also mein Versprechen gegeben. Vorher habe ich mit meiner Frau gesprochen, und sie war einverstanden.

Dieses Versprechen hat mir Freiheit und Freude gebracht. Kurz danach hat mein großer, gewaltloser Kampf, der Satyagraha, begonnen. Ich glaube: Das Versprechen hatte mich darauf vorbereitet.

Ich habe auch verstanden: Wer sich beherrschen will, muss zuerst beim Essen aufpassen. Ich habe einfach gegessen, oft nur Obst und Nüsse, ohne Gewürze. Das hat mir geholfen.

Leicht war es trotzdem nie. Es war wie das Gehen auf der Schneide eines Messers. Man muss immer wachsam sein.

Teil III · Kapitel 9: Ein einfaches Leben

Ich wollte einfacher leben und weniger Geld ausgeben. Also habe ich gelernt, meine Wäsche selbst zu waschen. Mein erster Kragen war sehr lustig: Er war zu steif, und überall ist die Wäschestärke abgefallen. Im Gericht haben die anderen Anwälte gelacht. Aber das war mir egal.

Ich habe auch gelernt, meine Haare selbst zu schneiden. Ein weißer Friseur wollte meine „schwarzen Haare“ nicht schneiden. Also habe ich es selbst gemacht – am Anfang ziemlich schlecht!

Ich habe es geliebt, alles selbst zu machen. Das gab mir ein Gefühl von Freiheit.

Teil III · Kapitel 10: Der Burenkrieg

1899 begann in Südafrika ein Krieg zwischen den Briten und den Buren. Im Herzen war ich für die Buren. Aber die Inder wollten Rechte als britische Bürger. Deshalb dachte ich: Dann müssen wir den Briten auch helfen.

Also habe ich eine Gruppe von über 1.000 Indern organisiert. Wir haben die verwundeten Soldaten vom Schlachtfeld getragen, oft viele Kilometer am Tag. Manchmal waren wir sogar in großer Gefahr.

Unsere Arbeit wurde sehr gelobt. Die Inder haben mehr Respekt bekommen. Und die Gruppe hat die indische Gemeinschaft noch enger zusammengebracht.

Teil III · Kapitel 11: Sauberkeit und Hilfe bei der Hungersnot

Ich dachte: Die Inder sollten nicht nur Rechte fordern, sondern auch ihre eigenen Fehler verbessern.

Man hat den Indern vorgeworfen, sie seien schmutzig. Deshalb habe ich geholfen, die Häuser sauberer zu machen. Das war aber schwer. Viele Menschen wollten ihre eigene Pflicht nicht tun. Manche waren unhöflich zu mir. So habe ich gelernt: Für eine Veränderung braucht man sehr viel Geduld.

In Indien gab es damals eine große Hungersnot. Ich habe die Inder in Südafrika gebeten, Geld für ihre Heimat zu schicken. Sie haben großzügig geholfen.

Im Dienst an den Menschen habe ich immer neue Seiten der Wahrheit entdeckt.

Teil III · Kapitel 12: Rückkehr nach Indien

Nach dem Krieg habe ich gefühlt: Meine Arbeit ist jetzt in Indien. Meine Mitarbeiter haben mich gehen lassen. Aber ich musste versprechen: Wenn die Gemeinschaft mich braucht, komme ich innerhalb von einem Jahr zurück.

Zum Abschied haben mir die Inder viele teure Geschenke gegeben: Gold, Diamanten und eine goldene Halskette für meine Frau.

Aber ich konnte die Geschenke nicht behalten. Ein Mensch, der dem Volk dient, sollte keine teuren Geschenke annehmen. Nach einer schlaflosen Nacht habe ich entschieden: Ich gebe alles als Geschenk an die Gemeinschaft zurück.

Meine Kinder waren sofort einverstanden. Meine Frau war aber traurig und hat lange diskutiert. Am Ende hat auch sie Ja gesagt. Ich habe diesen Schritt nie bereut.

Teil III · Kapitel 13: Wieder in Indien

1901 bin ich nach Indien zurückgekehrt. Zum ersten Mal habe ich an einer großen Versammlung des Indischen Kongresses teilgenommen. Das war eine wichtige Erfahrung für mich.

Aber vieles hat mich gestört. Es gab viel Unordnung und viel verlorene Zeit. Außerdem wurde fast nur Englisch gesprochen.

Am meisten hat mich aber etwas anderes traurig gemacht: Manche Menschen wurden als „unberührbar“ behandelt. Sie mussten getrennt von den anderen essen.

Die Toiletten waren sehr schmutzig, aber niemand wollte sie sauber machen. Die Leute sagten: „Das ist nicht unsere Arbeit.“ Da habe ich selbst einen Besen genommen und eine Toilette geputzt.

Teil III · Kapitel 14: Schreiber und Diener

Vor der Versammlung wollte ich helfen. Im Büro des Kongresses habe ich gefragt: „Kann ich etwas tun?“ Man hat mir einfache Arbeit gegeben: viele Briefe beantworten. Ich habe das schnell und gut gemacht.

Ich habe sogar einem älteren Mann geholfen, seine Hemdknöpfe zu schließen. Ich hatte großen Respekt vor älteren Menschen, und ich habe gern kleine Dienste getan.

So habe ich viel über die Arbeit des Kongresses gelernt und viele wichtige Leute kennengelernt.

Teil III · Kapitel 15: Im Kongress

Die Versammlung war riesig, und ich war ganz nervös. Mein Vorschlag über Südafrika kam ganz am Ende. Mein Freund Gokhale hat aufgepasst, dass man ihn nicht vergisst.

Ich durfte fünf Minuten sprechen. Aber ich war so nervös, dass meine Stimme schwach wurde. Nach kurzer Zeit hat eine Glocke geklingelt, und ich habe mich schnell wieder hingesetzt.

Mein Vorschlag wurde trotzdem angenommen. Darüber war ich sehr glücklich. Denn die Unterstützung des Kongresses bedeutete: Das ganze Land steht hinter den Indern in Südafrika.

Teil III · Kapitel 16: Der Durbar von Lord Curzon

In Kalkutta bin ich noch einen Monat geblieben. Dort habe ich indische Fürsten getroffen. Normalerweise trugen sie einfache, schöne Kleidung. Aber an einem besonderen Tag, beim großen Empfang für den britischen Vizekönig, mussten sie sich ganz anders anziehen.

Ein Fürst hat mir gesagt: „Wir sind wie Diener der Briten. Wenn ich nicht so komme, bekomme ich Probleme.“

Andere Fürsten trugen viel Gold und viele Diamanten. Aber für mich waren diese teuren Dinge kein Zeichen von Macht. Sie waren ein Zeichen, dass die Fürsten nicht frei waren. Reichtum und Macht kosten den Menschen oft sehr viel.

Teil III · Kapitel 17: Ein Monat mit Gokhale (Teil 1)

Ich habe einen Monat bei Gokhale gewohnt. Er hat mich wie einen jüngeren Bruder behandelt.

Gokhale hat nie eine Minute verschwendet. Seine ganze Arbeit war für das Wohl von Indien. Sein einziges Ziel war die Freiheit seines Landes. Ich habe ihn sehr bewundert.

In einer Sache waren wir aber nicht einer Meinung. Gokhale war oft krank, weil er nie spazieren ging. Ich habe gesagt: „Auch bei viel Arbeit muss man Zeit für Bewegung finden.“ Aber er hatte dafür keine Zeit.

Teil III · Kapitel 18: Ein Monat mit Gokhale (Teil 2)

In Kalkutta habe ich auch einen berühmten Tempel besucht. Dort hat man viele Schafe als Opfer für eine Göttin getötet. Überall war Blut.

Dieser Anblick hat mich tief erschüttert. Ich konnte es kaum aushalten, und ich habe es nie vergessen.

Für mich ist das Leben eines Tieres genauso wertvoll wie das Leben eines Menschen. Diese Grausamkeit sollte aufhören. Aber damals war das zu schwer für mich allein.

Teil III · Kapitel 19: Ein Monat mit Gokhale (Teil 3)

In Kalkutta habe ich viel über das Leben und die Religion in Bengalen gelernt. Ich habe auch die schöne bengalische Musik kennengelernt und sehr gemocht.

Danach hatte ich eine Idee. Ich wollte durch Indien reisen – aber in der dritten Klasse, der Klasse für die armen Leute. So wollte ich ihre Probleme besser verstehen.

Gokhale hat mir Essen für die Reise gegeben. Dann bin ich losgefahren, zuerst nach Benares.

Teil III · Kapitel 20: In Benares

Die Reise in der dritten Klasse war schmutzig und unbequem. Der Unterschied zwischen den reichen und den armen Passagieren war sehr groß und ungerecht.

In Benares habe ich einen berühmten Tempel besucht. Aber ich war sehr enttäuscht. Es war schmutzig und laut, fast wie ein Markt. Ein Priester wurde wütend, weil ich nur eine kleine Münze gegeben habe. Er hat mich beschimpft.

Es hat mich traurig gemacht, dass ein heiliger Ort so schmutzig sein kann.

Teil III · Kapitel 21: Lasse ich mich in Bombay nieder?

Gokhale wollte, dass ich in Bombay arbeite. Zuerst habe ich aber in Rajkot angefangen. Ein alter Freund hat mir ein paar Fälle gegeben. Ich habe sie gewonnen und mehr Mut bekommen.

In dieser Zeit habe ich wieder gesehen: Ein englischer Beamter versteht die armen Menschen in Indien nicht. Bei einer gefährlichen Krankheit hat er nur gesagt: „Warum habt ihr Angst?“ Die Probleme der armen Leute waren ihm egal.

Am Ende bin ich nach Bombay gegangen und habe dort als Anwalt gearbeitet.

Teil III · Kapitel 22: Der Glaube wird geprüft

In Bombay wurde mein Sohn Manilal, zehn Jahre alt, sehr krank. Er hatte hohes Fieber.

Der Arzt hat gesagt: „Geben Sie ihm Eier und Hühnersuppe.“ Aber wir waren aus religiösen Gründen Vegetarier. Das war für mich eine sehr schwere Entscheidung. Ich habe gesagt: „Ich kann das meinem Sohn nicht geben.“ Stattdessen habe ich ihn mit Wasser und einer einfachen Diät gepflegt. Der Arzt hat aber weiter nach ihm gesehen.

Ich hatte große Angst und konnte kaum schlafen. Tag und Nacht habe ich bei meinem Sohn gewacht.

Eines Nachts ging das Fieber endlich zurück. Langsam wurde Manilal wieder gesund. Heute ist er mein gesündester Sohn. Ich habe Gott gedankt.

Teil III · Kapitel 23: Wieder nach Südafrika

In Bombay lief meine Arbeit jetzt gut, und ich habe mich langsam eingelebt.

Aber plötzlich kam ein Telegramm aus Südafrika: „Komm sofort zurück!“ Ein wichtiger britischer Minister sollte nach Südafrika kommen.

Ich hatte ein Versprechen gegeben. Also habe ich meine Arbeit aufgegeben und bin wieder nach Südafrika gefahren. Meine Frau und meine Kinder sind in Bombay geblieben, denn ich dachte: Ich bleibe nur ungefähr ein Jahr. Ein paar junge Männer habe ich mitgenommen.

In Durban hat schon viel Arbeit auf mich gewartet.

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Teil IV · Kapitel 1: Vergebliche Mühe?

Ein wichtiger britischer Minister, Herr Chamberlain, ist nach Südafrika gekommen. Wir Inder haben ihm unsere Probleme erklärt. Aber seine Antwort war kalt: „Ihr müsst die Weißen zufriedenstellen, wenn ihr hier leben wollt.“ Das war eine große Enttäuschung.

Ich wollte auch den Indern in der Provinz Transvaal helfen. Dafür brauchte ich eine besondere Erlaubnis. Für Inder war das sehr schwer. Viele mussten viel Geld bezahlen.

Zum Glück hat mir ein alter Freund von der Polizei geholfen. So habe ich die Erlaubnis bekommen und konnte weiterreisen.

Teil IV · Kapitel 2: Herrscher aus Asien

Es gab jetzt ein neues Amt für die Inder. Eigentlich sollte es die Inder schützen. Aber die Beamten waren arrogant und haben die Inder schlecht behandelt.

Der Chef hat mich zu sich gerufen. Ich musste die ganze Zeit stehen. Dann hat er gesagt: „Ihre Erlaubnis war ein Fehler. Sie müssen zurückgehen. Und Herrn Chamberlain dürfen Sie nicht treffen.“

Das war sehr beleidigend.

Teil IV · Kapitel 3: Die Beleidigung hinnehmen

Ich war ruhig und habe die Beleidigung hingenommen. Man hat meinen Namen aus der Gruppe gestrichen, die Herrn Chamberlain treffen sollte.

Meine Freunde waren sehr wütend. Aber ich habe gesagt: „Unser Anliegen muss trotzdem vorgebracht werden. Dann soll eben ein anderer die Gruppe führen.“

Ich habe verstanden: Der Kampf wird lange dauern. Also bin ich in Südafrika geblieben. Ich habe ein Büro in Johannesburg eröffnet und dort als Anwalt gearbeitet.

Teil IV · Kapitel 4: Mehr Mut zum Verzicht

Mein Leben hat sich verändert. Ich wollte einfacher leben und mehr für andere opfern.

Früher hatte ich eine Lebensversicherung abgeschlossen, um meine Familie zu schützen. Aber jetzt habe ich anders gedacht. Ich fand: Das zeigt nur Angst und wenig Vertrauen in Gott. Und meine Frau und meine Kinder sollten lernen, für sich selbst zu sorgen.

Neue Freunde haben mit mir oft über Religion gesprochen. Das hat mich zum Nachdenken über mein eigenes Leben gebracht.

Teil IV · Kapitel 5: Das Ergebnis des Nachdenkens

Ich habe die Bhagavadgita, ein heiliges Buch, sehr genau gelesen. Sie wurde mein wichtigster Ratgeber für jeden Tag.

Zwei Ideen waren mir besonders wichtig: nicht an Besitz hängen und alle Menschen gleich behandeln.

Deshalb habe ich meine Lebensversicherung aufgegeben. Und ich habe meinem Bruder gesagt: „Erwarte in Zukunft kein Geld mehr von mir. Mein Geld gehört jetzt der Gemeinschaft.“

Mein Bruder war sehr verletzt und hat nicht mehr mit mir gesprochen. Das hat mich traurig gemacht. Aber kurz vor seinem Tod hat er mich verstanden.

Teil IV · Kapitel 6: Ein Verlust für den Vegetarismus

Ich wollte den Vegetarismus gern verbreiten. Eine Frau hat ein großes vegetarisches Restaurant eröffnet und mich um Geld gebeten. Ich habe ihr Geld geliehen – aber es war das Geld eines Klienten.

Das Geld kam nie zurück. Also musste ich den Verlust selbst bezahlen.

Ein Freund hat mich gewarnt: „Du darfst nicht das Geld anderer Leute für deine Projekte benutzen. Sonst ruinierst du dich.“ Er hatte recht. Das war eine wichtige Lektion für mich.

Teil IV · Kapitel 7: Heilen mit Erde und Wasser

Ich mochte keine Medikamente. Oft hatte ich Kopfschmerzen. Also habe ich aufgehört, zu frühstücken. Da waren die Kopfschmerzen weg! Ich hatte einfach zu viel gegessen.

Ich habe auch natürliche Mittel ausprobiert, zum Beispiel mit Wasser und mit feuchter Erde. Mir haben sie geholfen.

Ich war überzeugt: Viele kleine Krankheiten kann man mit gutem Essen, Wasser und einfachen Hausmitteln heilen, nicht nur mit Medikamenten. Aber ich habe auch gesagt: Man muss vorsichtig sein und sich gut beraten lassen.

Teil IV · Kapitel 8: Eine Warnung

Ich habe viel über Essen und Gesundheit geschrieben. Ich dachte: Der Mensch braucht keine Milch. Obst und Nüsse reichen.

Aber später, in Indien, wurde ich sehr krank. Da musste ich wieder Milch trinken, um gesund zu werden.

Deshalb warne ich andere Menschen: Gebt die Milch nicht einfach auf, nur weil ich das gedacht habe. Vor allem kranke und schwache Menschen brauchen Milch. Fragt zuerst einen Arzt.

Teil IV · Kapitel 9: Ein Kampf gegen die Macht

Die Beamten im neuen Amt waren korrupt. Sie haben Geld genommen, um die falschen Leute ins Land zu lassen.

Ich habe Beweise gesammelt und bin zur Polizei gegangen. Zwei Beamte wurden verhaftet. Aber das weiße Gericht hat sie freigesprochen. Ich war sehr enttäuscht.

Trotzdem hat man die zwei Beamten entlassen. Danach wurde es ein bisschen besser.

Persönlich war ich nicht böse auf diese Männer. Ich habe ihnen später sogar geholfen. Ich glaube: Man soll die schlechte Tat hassen, nicht den Menschen.

Teil IV · Kapitel 10: Eine schmerzliche Erinnerung

Für mich gab es keinen Unterschied zwischen den Menschen – egal welche Religion, welche Kaste oder welche Hautfarbe.

In Durban hat ein christlicher Angestellter bei uns gewohnt. Seine Familie galt früher als „unberührbar“. Ich wollte, dass meine Frau ihn genauso behandelt wie alle anderen. Aber das war für sie schwer. Wir haben heftig gestritten. Ich war damals sehr unfair und grob zu ihr. Später habe ich mich dafür geschämt.

Damals habe ich meine Frau noch nicht als gleichberechtigte Partnerin gesehen. Erst Jahre später hat sich das geändert. Dann wurde unser Leben zusammen ruhig und glücklich. Ich habe ihre große Geduld immer bewundert.

Teil IV · Kapitel 11: Enge europäische Freunde

Bei mir haben nicht nur Inder gewohnt, sondern auch englische Freunde – wie eine Familie.

Das war ungewöhnlich, und manchmal war es schwer. Meine Frau war nicht immer glücklich damit.

Aber ich war überzeugt: Man soll alle Menschen, aus jedem Land und jeder Religion, wie seine Familie behandeln. Die englischen Freunde haben sich bei uns schnell zu Hause gefühlt.

Teil IV · Kapitel 12: Europäische Freunde (Fortsetzung)

In Johannesburg brauchte ich mehr Hilfe im Büro. Ich habe europäische Frauen als Sekretärinnen angestellt. Eine war ein schottisches Mädchen, Miss Dick. Es war ihr egal, dass ich ein Inder war. Sie wurde fast wie eine Tochter für mich, und ich habe ihr ganz vertraut.

Später hat eine junge, mutige Frau für mich gearbeitet: Miss Schlesin. Sie wollte kein hohes Gehalt. Sie hat gesagt: „Ich arbeite hier, weil ich Ihre Ideale mag.“

Im großen Kampf, als die Männer im Gefängnis waren, hat sie die Bewegung ganz allein geführt. Gokhale hat gesagt: Sie ist die Beste von allen Mitarbeitern.

Teil IV · Kapitel 13: Indian Opinion

1904 habe ich geholfen, eine Zeitung zu gründen: Indian Opinion. Sie kam jede Woche heraus.

Die Zeitung hat viel Geld gekostet. Ich habe fast mein ganzes Erspartes hineingesteckt. Zehn Jahre lang habe ich fast jede Woche einen Artikel geschrieben. So habe ich meine Ideen vom Satyagraha, dem gewaltlosen Kampf, erklärt.

Durch die Zeitung habe ich auch viel gelernt. Ich war überzeugt: Das einzige Ziel einer Zeitung sollte der Dienst an den Menschen sein. Eine Zeitung kann auch großen Schaden anrichten, wenn sie nicht verantwortungsvoll ist.

Teil IV · Kapitel 14: „Kuli-Viertel“ oder Ghettos?

In Südafrika wurden die Inder wie „unberührbar“ behandelt. Sie mussten in armen, schmutzigen und engen Vierteln wohnen.

Die Stadt hat sich nicht um das indische Viertel gekümmert. Dann hat sie gesagt: „Es ist zu schmutzig“, und wollte den Indern das Land wegnehmen. Aber das Land gehörte den Indern.

Ich habe ihnen als Anwalt geholfen. Ich habe nur sehr wenig Geld genommen, und die Hälfte wollte ich für ein Krankenhaus für die Armen spenden. Fast alle Fälle habe ich gewonnen.

Die armen Leute haben mich sehr gemocht. Sie haben mich „Bhai“ genannt – das heißt „Bruder“.

Teil IV · Kapitel 15: Die schwarze Pest (Teil 1)

Plötzlich ist eine schreckliche Krankheit ausgebrochen: die „schwarze Pest“. 23 indische Arbeiter aus einer Goldmine hatten sich angesteckt.

Ein mutiger Freund hat die Kranken in ein leeres Haus gebracht und mich gerufen. Ich bin sofort hingefahren, zusammen mit einem Arzt.

Meine vier jungen Helfer waren bereit, die Kranken zu pflegen, obwohl das sehr gefährlich war. Sie haben gesagt: „Wo du bist, da sind wir auch.“ Die ganze Nacht haben wir gearbeitet.

Teil IV · Kapitel 16: Die schwarze Pest (Teil 2)

Endlich hat die Stadt geholfen und ein Gebäude für ein Krankenhaus gegeben. Aber die meisten Kranken sind gestorben. Sogar die freundliche Krankenschwester hat sich angesteckt und ist gestorben.

Ich habe einen scharfen Brief an die Zeitung geschrieben und der Stadt die Schuld gegeben.

Durch diese Zeit habe ich wichtige neue Freunde gefunden. Einer war Herr West. Er war bereit, die Druckerei meiner Zeitung in Durban zu leiten. Von da an war er mein treuer Mitarbeiter.

Teil IV · Kapitel 17: Das Viertel brennt

Nach der Pest hat die Stadt entschieden: Alle Bewohner müssen weg, und das schmutzige Viertel wird verbrannt. Die Menschen mussten drei Wochen in Zelten wohnen.

Die Leute hatten große Angst. Aber ich war bei ihnen, und das hat ihnen geholfen.

Viele arme Leute hatten ihr Geld in der Erde versteckt. Ich bin wie ihr Bankier geworden und habe ihr Geld sicher zur Bank gebracht.

Dann hat man das Viertel verbrannt. So wurde die Pest endlich gestoppt.

Teil IV · Kapitel 18: Der Zauber eines Buches

Mein neuer Freund, Herr Polak, hat mir ein Buch gegeben: „Unto This Last“ von John Ruskin. Ich sollte es im Zug lesen.

Das Buch hat mich sofort gepackt. Ich konnte es nicht weglegen und in dieser Nacht nicht schlafen. Ich habe entschieden: Ich ändere mein ganzes Leben.

Das Buch hat mir drei wichtige Ideen gezeigt. Erstens: Das Wohl eines Menschen liegt im Wohl aller. Zweitens: Jede Arbeit hat den gleichen Wert. Die Arbeit eines Anwalts ist nicht mehr wert als die Arbeit eines Friseurs. Drittens: Ein einfaches Leben mit körperlicher Arbeit, wie das Leben eines Bauern, ist das beste Leben.

Teil IV · Kapitel 19: Die Phoenix-Siedlung

Das Buch hat mich inspiriert. Ich wollte meine Zeitung auf einen Bauernhof bringen. Dort sollten alle zusammen arbeiten und den gleichen, kleinen Lohn bekommen.

Ich habe Land in der Nähe von Durban gekauft. Der Ort hieß Phoenix. In nur einem Monat haben wir dort eine Werkstatt für die Druckerei gebaut.

Ein paar Freunde und Verwandte sind mitgekommen. So ist 1904 die Phoenix-Siedlung entstanden. Es war ein einfaches Leben mit viel Arbeit, aber es hat mir gefallen.

Teil IV · Kapitel 20: Die erste Nacht

Die erste Zeitung in Phoenix zu drucken, war schwer. Die Maschine wollte nicht funktionieren. Herr West hat fast geweint.

Aber ich habe gesagt: „Dann machen wir es mit der Hand!“ Die Tischler, die dort geschlafen haben, haben gern geholfen. Die ganze Nacht haben wir mit der Hand gearbeitet.

Am Morgen ist die Zeitung pünktlich fertig geworden. Diese Nacht hat uns stark und selbstständig gemacht.

Teil IV · Kapitel 21: Polak wagt den Schritt

Ich wollte gern auf dem einfachen Hof in Phoenix leben. Aber meine Arbeit hat mich immer wieder nach Johannesburg geholt.

Mein Freund Polak war sehr glücklich, dass sein Buch mein Leben so verändert hatte. Er wollte auch in Phoenix mitmachen, und er hat dort gut hineingepasst.

Aber bald brauchte ich Hilfe in meinem Büro. Also habe ich Polak gebeten, mit mir Anwalt zu werden. Er war einverstanden und ist nach Johannesburg gekommen.

Teil IV · Kapitel 22: Wen Gott beschützt

Meine Frau und meine Kinder sind zu mir nach Südafrika gekommen. Auf dem Schiff hat sich mein Sohn Ramdas, acht Jahre alt, den Arm gebrochen. Ich habe ihn selbst mit meiner Erd- und Wasser-Methode behandelt, und der Arm ist gut geheilt.

Aber ich sage auch: So etwas ist riskant. Man sollte solche Versuche zuerst an sich selbst machen.

Ich habe meine Freunde ermutigt zu heiraten. So ist Phoenix langsam ein kleines Dorf mit mehreren Familien geworden.

Teil IV · Kapitel 23: Ein Blick in den Haushalt

Nach dem Buch von Ruskin habe ich mein Leben noch einfacher gemacht. Wir haben unser Mehl selbst gemahlen und unser Brot selbst gebacken. Die Kinder haben bei allen Arbeiten im Haus geholfen.

Ich habe meine Kinder selbst unterrichtet, oft auf unserem langen Weg zum Büro. Sie sind nicht zur Schule gegangen. Mein ältester Sohn war darüber nicht glücklich.

Mit meinen Kindern habe ich immer in unserer Muttersprache Gujarati gesprochen. Ich fand das sehr wichtig.

Teil IV · Kapitel 24: Der Zulu-„Aufstand“

In Natal gab es einen „Aufstand“ der Zulu. Ich hatte nichts gegen die Zulu. Aber aus Treue zu Großbritannien habe ich wieder eine Gruppe von Indern organisiert, um zu helfen. Mit 24 Männern war ich etwa sechs Wochen dabei.

Vor Ort habe ich gesehen: Es gab gar keinen echten Aufstand. Ein Zulu-Häuptling hatte nur eine neue Steuer nicht bezahlt.

Unsere Hauptarbeit war, die verwundeten Zulu zu pflegen. Die weißen Helfer wollten das nicht tun. Die Zulu waren sehr schlecht behandelt worden. Ich war froh, dass wir ihnen helfen konnten. Diese Gewalt hat mich tief erschüttert.

Teil IV · Kapitel 25: Suche im Herzen

Der „Aufstand“ hat mir die Schrecken der Gewalt gezeigt. Auf den langen Märschen habe ich viel nachgedacht.

Ich habe gespürt: Ich kann nicht ganz für die Menschen da sein und gleichzeitig ein normales Familienleben führen. Deshalb wollte ich ein Versprechen für mein ganzes Leben geben: ein Leben mit strenger Selbstbeherrschung.

Nach meiner Rückkehr habe ich mit meinen Mitarbeitern darüber gesprochen. In der Mitte des Jahres 1906 habe ich dieses Versprechen gegeben. Leicht war es nicht. Aber für mich war es der richtige Weg.

Teil IV · Kapitel 26: Die Geburt des Satyagraha

In Johannesburg ist meine neue Bewegung entstanden. Zuerst hatte sie keinen Namen. Ich habe das englische Wort „passiver Widerstand“ benutzt. Aber dieses Wort war mir zu schwach. Es klang nach einer Waffe der Schwachen, und es konnte auch Hass und Gewalt bedeuten.

Also brauchte ich ein neues Wort. In meiner Zeitung habe ich einen kleinen Wettbewerb gemacht. So ist ein neues Wort entstanden: „Satyagraha“. Das bedeutet „fest an der Wahrheit festhalten“.

Dieser gewaltlose Kampf wurde die wichtigste Aufgabe für den Rest meines Lebens in Südafrika.

Teil IV · Kapitel 27: Mehr Versuche mit dem Essen

Um mein Versprechen zu halten, habe ich mein Essen noch mehr verändert. Jetzt nicht mehr nur für die Gesundheit, sondern aus religiösen Gründen.

Ich gebe zu: Ich habe gutes Essen sehr geliebt, und Selbstbeherrschung war für mich nicht leicht.

Mit der Zeit habe ich gedacht: Man sollte nicht essen, um zu genießen, sondern nur, um den Körper gesund zu halten.

Teil IV · Kapitel 28: Kasturbais Mut

Meine Frau Kasturba war dreimal in ihrem Leben sehr krank. Einmal war sie nach einer Operation sehr schwach. Der Arzt wollte ihr Fleischsuppe geben. Aber wir waren aus religiösen Gründen Vegetarier.

Der Arzt hat gesagt: „Entweder sie isst Fleisch, oder Sie müssen sie wegbringen.“

Ich habe Kasturba selbst gefragt. Sie war sehr mutig. Sie hat fest gesagt: „Nein. Ich will lieber in deinen Armen sterben, als Fleisch essen.“

Also habe ich sie zu unserer Siedlung in Phoenix gebracht. Das war ein großes Risiko. Aber dort ist sie langsam wieder gesund geworden. Ihren Mut habe ich nie vergessen.

Teil IV · Kapitel 29: Satyagraha zu Hause

Kasturba war wieder krank. Ich dachte: Ein besonderes Essen, ganz ohne Salz, würde ihr helfen. Aber sie wollte nicht. Sie hat gesagt: „Du könntest das auch nicht!“

Also habe ich sie nicht gezwungen. Stattdessen habe ich versprochen: „Dann gebe ich selbst das Salz für ein ganzes Jahr auf.“

Kasturba war sehr berührt. Da hat auch sie es gemacht – und sie ist wieder gesund geworden.

Ich nenne das „Satyagraha zu Hause“: gewinnen durch eigenen Verzicht, nicht durch Zwang.

Teil IV · Kapitel 30: Auf dem Weg zur Selbstbeherrschung

Für mein Versprechen wollte ich noch mehr verzichten. Zusammen mit meinem engen Freund Kallenbach habe ich die Milch aufgegeben. Das war 1912 auf der „Tolstoi-Farm“, wo wir damals lebten.

Ich habe auch nur noch einfaches, billiges Obst gegessen. Ich wollte wie die ärmsten Menschen leben.

Aber ich habe auch verstanden: Das Wichtigste ist nicht das Essen, sondern der Geist. Gutes Essen allein macht den Menschen nicht rein.

Teil IV · Kapitel 31: Das Fasten

Um diese Zeit habe ich auch angefangen zu fasten, als Übung in Selbstbeherrschung.

Auf der Tolstoi-Farm hatten wir eine Schule. Dort waren Kinder aus vielen Religionen: Muslime, Hindus, Christen und Parsen.

Ich habe jedes Kind ermutigt, die Feste und das Fasten seiner eigenen Religion zu halten. Und sie haben es zusammen gemacht. So ist ein schöner Geist der Freundschaft entstanden.

Ich glaube aber: Fasten hilft nur, wenn man es wirklich für die Selbstbeherrschung tut – nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit dem Geist.

Teil IV · Kapitel 32: Als Lehrer

Die Farm wurde größer, und die Kinder brauchten Unterricht. Ich habe keine extra Lehrer geholt. Ich war wie ein Vater für alle Kinder.

Für mich war das Wichtigste, einen guten Charakter aufzubauen.

Auf der Farm haben alle die Arbeit selbst gemacht: kochen, im Garten arbeiten, putzen. Auch die Kinder haben viel geholfen. So blieben sie gesund. Ich habe ihnen auch nützliche Handwerke beigebracht, zum Beispiel Schuhe machen.

Eine wichtige Regel gab es: Die Kinder mussten nur das tun, was die Lehrer auch selbst taten.

Teil IV · Kapitel 33: Sprachen lernen

Das Lesen und die Sprachen zu unterrichten, war schwerer. Wir haben viele Sprachen gelernt: Hindi, Tamil, Gujarati, Urdu und Englisch.

Ich habe Tamil und Urdu unterrichtet, obwohl ich selbst nur wenig davon konnte. Ich habe das nie versteckt. Deshalb haben mich die Kinder trotzdem respektiert.

Ich habe fast keine Schulbücher benutzt. Ich glaube: Das wichtigste „Buch“ für die Schüler ist der Lehrer. Und Kinder lernen mehr durch Zuhören als durch Lesen.

Teil IV · Kapitel 34: Erziehung des Geistes

Am schwersten war es, den Charakter und den Geist der Kinder zu erziehen.

Ich glaube: Das kann man nicht aus Büchern lernen, sondern nur durch das Leben des Lehrers selbst. Ein Lehrer, der lügt, kann den Kindern nicht die Wahrheit beibringen. Also musste ich selbst ein gutes Beispiel sein.

Einmal war ein Junge sehr frech, und ich wurde wütend. Ich habe ihn mit einem Lineal geschlagen. Sofort hat es mir leidgetan. Ich war immer gegen körperliche Strafen. Danach habe ich es nie wieder getan.

Teil IV · Kapitel 35: Unkraut im Weizen

Mein Freund Kallenbach hatte Sorgen. Er hat gesagt: „Die braven Kinder, auch deine Söhne, werden durch die frechen Kinder schlecht.“

Aber ich habe gesagt: „Ich bin für alle Kinder gleich verantwortlich. Meine Söhne sollen sich nicht besser fühlen als die anderen.“

Am Ende waren meine Söhne nicht schlechter. Im Gegenteil: Sie haben gelernt, mit allen Arten von Menschen gut umzugehen.

Teil IV · Kapitel 36: Fasten als Buße

Ich glaube: Ein Lehrer ist auch ein wenig verantwortlich für die Fehler seiner Schüler.

Eines Tages haben zwei junge Leute in der Siedlung etwas sehr Falsches getan. Das hat mich tief getroffen. Ich habe mich mitverantwortlich gefühlt.

Als Buße habe ich für einige Zeit gefastet. Das hat alle traurig gemacht. Aber danach war die Luft wieder rein, und die Verbindung zwischen mir und den jungen Leuten war stärker und ehrlicher.

Teil IV · Kapitel 37: Zu Gokhale reisen

1914 war der große Kampf in Südafrika zu Ende. Mein Freund Gokhale hat mir geschrieben: „Komm über London nach Hause.“ Also bin ich mit Kasturba und Kallenbach nach England gefahren.

Auf dem Schiff gab es eine kleine Geschichte. Kallenbach hatte ein teures Fernglas. Ich fand: Das passt nicht zu unserem einfachen Leben. Wir haben darüber diskutiert – und dann hat er es ins Meer geworfen.

Gerade als wir in England ankamen, hat der Erste Weltkrieg begonnen.

Teil IV · Kapitel 38: Meine Rolle im Krieg

In England war jetzt Krieg. Ich habe gefunden: Die Inder in England sollten auch helfen, so wie die englischen Studenten.

Manche Inder waren dagegen. Sie haben gesagt: „Wir sind nicht frei. Warum sollen wir den Briten helfen?“ Aber ich dachte: Es ist unsere Pflicht, in einer schweren Stunde zu helfen. Man sollte die Not eines anderen nicht für sich ausnutzen.

Viele Inder haben sich gemeldet. Wir haben Erste Hilfe gelernt, um den verwundeten Soldaten zu helfen.

Teil IV · Kapitel 39: Ein innerer Konflikt

Mein Freund Polak hat mir geschrieben: „Wie passt das zu deiner Idee von der Gewaltlosigkeit? Du hilfst doch in einem Krieg!“

Das war für mich eine schwere Frage. Ich habe zugegeben: Krieg und Gewaltlosigkeit passen eigentlich nicht zusammen.

Aber ich habe so gedacht: Ich lebe unter dem Schutz des britischen Reiches. Also bin ich schon ein Teil davon. Deshalb wollte ich auch helfen.

Ich habe aber auch gesagt: Wer die Wahrheit sucht, muss immer bereit sein, eigene Fehler zuzugeben.

Teil IV · Kapitel 40: Ein kleiner Satyagraha

Sogar im Krieg musste ich einen kleinen Satyagraha führen. Der Offizier, der unser Training leitete, war sehr herrisch. Er hat unsere Gruppenleiter ausgewählt, ohne uns zu fragen.

Die Männer waren unzufrieden. Also habe ich gebeten: „Lassen Sie uns unsere Leiter selbst wählen.“ Aber der Offizier hat Nein gesagt. Es gab einen langen Streit.

Am Ende haben wir einen Kompromiss gefunden, und die Männer haben den verwundeten Soldaten geholfen. Aber ich selbst war inzwischen krank und musste im Bett liegen.

Teil IV · Kapitel 41: Gokhales Liebe

Ich war krank. Mein Freund Gokhale und der Arzt wollten, dass ich Milch trinke, um gesund zu werden.

Aber ich hatte die Milch aus religiösen Gründen aufgegeben. Ich habe Nein gesagt – sogar: „Lieber sterbe ich, als dass ich Milch trinke.“

Gokhale war traurig. Aber er hat freundlich gesagt: „Ich bin nicht deiner Meinung. Aber ich zwinge dich nicht.“ Das hat mich sehr berührt.

Teil IV · Kapitel 42: Die Behandlung der Krankheit

Meine Krankheit ist nicht weggegangen. Ein vegetarischer Arzt hat mir geholfen. Er hat mir eine besondere Diät empfohlen, dazu frische Luft und kurze Spaziergänge. So musste ich keine Milch trinken.

Eine freundliche Dame wollte mir ein Getränk ohne Milch geben. Aber es war doch aus Milch. Also habe ich es wieder weggelassen.

Am Ende hat mir ein Freund geraten: „Fahren Sie nach Indien zurück, um gesund zu werden.“ Ich war einverstanden.

Teil IV · Kapitel 43: Heimwärts

Mein Freund Kallenbach wollte mit nach Indien kommen. Aber er war Deutscher, und es war Krieg. Deshalb durfte er nicht. Der Abschied war sehr schwer.

Ich bin mit Kasturba nach Indien gefahren. Auf dem Schiff ging es mir langsam besser.

Nach zehn Jahren in der Fremde war ich endlich wieder in Bombay. Ich war voller Freude, wieder zu Hause zu sein.

Teil IV · Kapitel 44: Erinnerungen an die Anwaltszeit

Ich erinnere mich an meine Arbeit als Anwalt in Südafrika. Ich habe nie gelogen, auch wenn ich mit einer Lüge einen Fall hätte gewinnen können.

Jedem neuen Klienten habe ich gesagt: „Einen falschen Fall nehme ich nicht an.“ So kamen bald keine falschen Fälle mehr zu mir.

Einmal hatten die Experten einen kleinen Fehler gemacht – zum Vorteil meines Klienten. Der andere Anwalt hat gesagt: „Das müssen wir nicht erwähnen.“ Aber ich habe darauf bestanden: „Wir müssen ehrlich sein und den Fehler zugeben, auch wenn wir verlieren.“ Mein Klient hat mir vertraut und Ja gesagt.

Teil IV · Kapitel 45: Ein unfairer Trick?

Ich war sehr nervös, diesen schwierigen Fall vor Gericht zu vertreten. Als ich ehrlich den Fehler zugegeben habe, hat ein Richter gefragt: „Ist das nicht ein unfairer Trick, Herr Gandhi?“

Ich war verletzt, aber ich bin ruhig geblieben. Ich habe gesagt: „Bitte hören Sie mich erst zu Ende an.“ Der Richter hat sich entschuldigt.

Dann habe ich erklärt: Der Fehler war ein ehrliches Versehen. Das Gericht hat mir geglaubt. So habe ich durch meine Ehrlichkeit den Fall gewonnen.

Teil IV · Kapitel 46: Aus Klienten werden Mitarbeiter

Einmal habe ich vor Gericht gemerkt: Mein eigener Klient hatte mich belogen. Also habe ich den Richter gebeten, gegen meinen Klienten zu entscheiden.

Das hat viele Leute überrascht. Aber meine Ehrlichkeit hat meinen Ruf sogar stärker gemacht. Ich habe auch nie versteckt, wenn ich etwas nicht wusste.

So haben mir die Menschen vertraut. Viele meiner Klienten sind meine Freunde und Helfer in der öffentlichen Arbeit geworden.

Teil IV · Kapitel 47: Wie ein Klient gerettet wurde

Parsi Rustomji war mein Klient und mein Freund. Er hatte ein Geheimnis: Manchmal hat er Waren ins Land geschmuggelt, um keine Steuern zu zahlen.

Eines Tages wurde das entdeckt. Er kam weinend zu mir und hatte große Angst vor dem Gefängnis. Ich habe gesagt: „Ich kann dir nur durch Ehrlichkeit helfen. Du hast dem Staat Unrecht getan.“

Ich habe ihm geraten: Gib alles zu, zahle eine Strafe und versprich, nie wieder zu schmuggeln. Ich habe offen mit den Beamten gesprochen. Am Ende musste Rustomji nur eine Geldstrafe zahlen.

Er hat sein schriftliches Geständnis an die Wand gehängt – als ewige Erinnerung.

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Teil V · Kapitel 1: Die erste Erfahrung

Als ich nach Indien zurückkam, war meine Phoenix-Gruppe schon da. Sie wohnte in der Schule des Dichters Tagore, in Shantiniketan.

In Bombay gab es einen großen, eleganten Empfang für mich. Aber zwischen all dem Reichtum habe ich mich fremd gefühlt. Ich hatte ja mein Leben mit armen Arbeitern verbracht.

Bei einem Treffen von Gujaratis haben fast alle Englisch gesprochen. Ich aber habe auf Gujarati geantwortet. Ich habe freundlich gefragt: „Warum sprechen wir Englisch bei einem Treffen von Gujaratis?“ Die Leute haben meinen Protest akzeptiert.

Teil V · Kapitel 2: Mit Gokhale in Poona

Der britische Gouverneur hat mich gebeten: „Sprechen Sie mit mir, bevor Sie etwas gegen die Regierung tun.“ Ich habe Ja gesagt. Denn als Satyagrahi versuche ich immer, auch die andere Seite zu verstehen.

Mein Freund Gokhale wollte, dass ich seiner Gesellschaft beitrete. Und er hat angeboten, für mein geplantes Ashram zu bezahlen. Das hat mich sehr erleichtert.

Gokhale war sehr krank und schwach. Aber aus Liebe ist er zu meiner Abschiedsfeier gekommen – und dort ist er ohnmächtig geworden.

Teil V · Kapitel 3: War das eine Drohung?

Ich bin in der dritten Klasse gereist und habe mich wie ein armer Mann angezogen. So habe ich von einer ungerechten Zollregel gehört, die den armen Reisenden viel Leid gemacht hat.

Ich habe mich für diese Sache eingesetzt. Am Ende hat die britische Regierung die Regel abgeschafft.

Als ich von Satyagraha gesprochen habe, hat ein Beamter gefragt: „Ist das eine Drohung? Eine starke Regierung gibt Drohungen nicht nach.“ Ich habe geantwortet: „Nein. Ich lehre die Menschen nur einen gewaltlosen Weg, gegen Unrecht zu kämpfen.“

Das war für mich der Anfang des Satyagraha in Indien.

Teil V · Kapitel 4: Shantiniketan

In Tagores Schule habe ich eine Idee vorgeschlagen: Alle sollten ihr Essen selbst kochen, statt Köche zu bezahlen. Das war eine gute Übung in Selbsthilfe. Tagore hat gesagt: „In dieser Idee liegt der Schlüssel zur Selbstregierung.“

Aber schon nach einer Woche kam eine traurige Nachricht: Gokhale war gestorben. Ich war tief traurig.

Ich hatte Gokhale versprochen: Ein ganzes Jahr lang reise ich nur durch Indien und lerne mein Land kennen, bevor ich etwas tue.

Teil V · Kapitel 5: Das Leid der Passagiere dritter Klasse

Das Reisen in der dritten Klasse war sehr schwer. Schon eine Fahrkarte zu bekommen, war ein Kampf. Die Leute haben sich gestoßen und geschrien. Es gab keinen Platz.

Ich habe gedacht: Schuld sind zum Teil die unhöflichen Beamten, aber auch die Reisenden selbst. Und die gebildeten Menschen kümmern sich nicht um die Armen.

Ehrlich gesagt, habe ich auch einen kleinen Fehler gemacht: Ich habe meiner Frau erlaubt, ein besseres Badezimmer zu benutzen, das nicht für uns war. Das passt nicht zu einem Menschen, der die Wahrheit sucht.

Teil V · Kapitel 6: Werben um die Mitgliedschaft

Nach Gokhales Tod wollte ich seiner Gesellschaft beitreten. Aber die Mitglieder waren geteilter Meinung. Einige waren dafür, andere dagegen.

Ich wollte die anderen nicht in eine schwierige Lage bringen. Deshalb habe ich meinen Antrag selbst zurückgezogen.

Gerade dadurch sind wir engere Freunde geworden, wie Brüder. Ich glaube: Eine Verbindung im Geist ist wertvoller als eine offizielle Mitgliedschaft.

Teil V · Kapitel 7: Das Kumbha-Fest

Ich bin zu einem riesigen religiösen Fest in Hardwar gereist, einem heiligen Ort für die Hindus. Die Reise dorthin war sehr hart.

Dort habe ich viel Heuchelei gesehen, und sogar Grausamkeit: Manche Leute hatten eine „fünfbeinige Kuh“ gemacht, um die Pilger zu betrügen. Aber ich habe auch geglaubt: Viele Menschen kamen mit einem ehrlichen Herzen.

Um mich selbst zu disziplinieren, habe ich ein Versprechen gegeben: Ich wollte jeden Tag nur wenige Sorten Essen essen und nach Sonnenuntergang nichts mehr. Dieses Versprechen habe ich viele Jahre gehalten.

Teil V · Kapitel 8: Lakshman Jhula

In der Nähe von Hardwar habe ich eine ruhige Schule besucht. Dort war es ganz anders als im lauten Hardwar.

Ich bin zu einer berühmten Hängebrücke über den Fluss Ganges gegangen. Ein heiliger Mann war traurig, weil ich die üblichen Hindu-Zeichen nicht trug. Aber ich fand: Diese äußeren Zeichen sind nicht so wichtig.

Diese Erfahrungen haben mir geholfen, zu entscheiden, wo ich leben und was ich tun wollte.

Teil V · Kapitel 9: Die Gründung des Ashrams

Am 25. Mai 1915 habe ich meine Gemeinschaft gegründet: das „Satyagraha-Ashram“. Es lag in Ahmedabad in Gujarat.

Warum diese Stadt? Dort sprach man meine Sprache, und es war ein Zentrum der Weberei. Das war gut für meinen Plan, das Spinnen von Hand wieder zu beleben.

Ich habe meinen Freunden klar gesagt: Ich werde auch eine „unberührbare“ Familie in das Ashram aufnehmen.

Etwa 25 Menschen haben angefangen. Wir haben zusammen gegessen und wie eine große Familie gelebt.

Teil V · Kapitel 10: Auf dem Amboss

Nach ein paar Monaten kam eine große Prüfung. Eine „unberührbare“ Familie wollte ins Ashram kommen: ein Mann, seine Frau und ihre kleine Tochter. Ich habe sie aufgenommen.

Das hat einen Sturm ausgelöst. Der Mann am Brunnen hat die Familie beleidigt. Und die Leute haben aufgehört, dem Ashram Geld zu geben. Ich war bereit, mit allen in das ärmste Viertel zu ziehen und mit den Händen zu arbeiten.

Gerade als das Geld zu Ende war, kam plötzlich ein fremder Mann mit dem Auto und hat uns viel Geld geschenkt. So waren wir gerettet.

Es gab auch einen Sturm im Ashram selbst. Sogar Kasturba und die anderen Frauen fanden es am Anfang schwer. Aber die Aufnahme dieser Familie war eine wichtige Lektion: Unser Ashram würde die „Unberührbarkeit“ niemals akzeptieren.

Teil V · Kapitel 11: Das Ende der Vertragsarbeit

Vertragsarbeiter“ waren Inder, die im Ausland unter einem harten Vertrag arbeiten mussten – fast wie Sklaven. Die Regierung hat nur versprochen, dieses System „irgendwann“ zu beenden.

Aber ich wollte: Es muss sofort enden. Ich bin durch ganz Indien gereist und habe einen klaren Termin gefordert.

Noch vor diesem Termin hat die Regierung das System gestoppt. Schon 1894 hatte ich zum ersten Mal gegen diese Ungerechtigkeit gekämpft. Jetzt war sie endlich vorbei.

Teil V · Kapitel 12: Der Fleck des Indigos

In einer Gegend namens Champaran mussten arme Bauern nach dem Gesetz Indigo für ihre Grundbesitzer anbauen. Das hat ihnen großes Leid gebracht. Ich wusste nichts davon.

Ein entschlossener Bauer, Rajkumar Shukla, ist mir überallhin gefolgt. Immer wieder hat er gesagt: „Bitte kommen Sie und sehen Sie es mit eigenen Augen.“

Am Ende bin ich mitgekommen, einfach gekleidet wie ein armer Mann. Ich wollte die Lage der Bauern selbst untersuchen.

Teil V · Kapitel 13: Der sanfte Bihari

In Bihar haben mir einige Anwälte geholfen. Aber ich habe ihnen gesagt: „Vor Gericht zu gehen, hilft wenig. Die echte Hilfe ist, die armen Bauern von ihrer Angst zu befreien.“

Ich dachte zuerst, die Arbeit dauert nur zwei Tage. Aber ich habe gemerkt: Vielleicht dauert sie zwei Jahre. Ich war bereit dazu.

Ich wollte nicht ihr juristisches Wissen, sondern ihre Hilfe als Freiwillige – und ihren Mut, sogar ins Gefängnis zu gehen. Sie haben Ja gesagt.

Teil V · Kapitel 14: Auge in Auge mit Ahimsa

Ich bin in die Dörfer gegangen, um die Lage zu untersuchen. Die britischen Beamten haben gesagt: „Verlassen Sie die Gegend!“ Aber ich habe Nein gesagt. Da musste ich vor Gericht erscheinen.

Riesige Menschenmengen sind gekommen. Und die Menschen haben ihre Angst verloren.

Ich war zu den Beamten immer höflich. So haben sie verstanden: Ich leiste nur friedlichen Widerstand, ich will sie nicht persönlich beleidigen.

Die armen Bauern haben mich mit Liebe empfangen, obwohl sie mich nie getroffen hatten. Da habe ich gefühlt: Ich bin Gott, der Gewaltlosigkeit und der Wahrheit ganz nahe.

Teil V · Kapitel 15: Der Fall wird zurückgezogen

Vor Gericht habe ich zugegeben: Ja, ich habe den Befehl nicht befolgt. Aber ich habe gesagt: „Ich tue das nicht aus Respektlosigkeit, sondern weil mein Gewissen es mir befiehlt.“

Alle waren überrascht: Die Regierung hat den Fall zurückgezogen. Ich durfte meine Untersuchung machen, sogar mit Hilfe der Beamten.

Das war für Indien die erste Lektion im „zivilen Ungehorsam“: einem ungerechten Befehl friedlich nicht zu gehorchen.

Teil V · Kapitel 16: Arbeitsweise

Ich habe Tausende von Aussagen der Bauern sorgfältig aufgeschrieben und genau geprüft. Von den armen Bauern habe ich kein Geld genommen.

Sogar die Geheimpolizei durfte zuhören, wenn die Bauern ihre Aussagen machten. Ich war immer höflich zu ihr. Das hat die Bauern mutiger und ehrlicher gemacht.

Ich habe auch die Grundbesitzer getroffen. Ich wollte sie freundlich gewinnen, nicht gegen sie kämpfen.

Teil V · Kapitel 17: Mitarbeiter

Meine Helfer in Bihar waren sehr treu. Ich habe verstanden: Wirkliche, dauerhafte Hilfe bedeutet, die Dörfer zu unterrichten.

Also habe ich in sechs Dörfern Grundschulen eröffnet. Ich habe um freiwillige Lehrer gebeten, und viele sind gekommen, auch meine Frau Kasturba.

Den Lehrern habe ich gesagt: „Lehrt vor allem Sauberkeit und gute Sitten.“ Die Helfer haben auch die Dörfer sauber gemacht und einfache medizinische Hilfe gegeben.

Teil V · Kapitel 18: In die Dörfer vordringen

In jedem Dorf haben die Freiwilligen einfache medizinische Hilfe gegeben und die Dörfer sauber gemacht.

Eine traurige Geschichte zeigt die große Armut: Eine Frau hatte nur ein einziges Kleid. Deshalb konnte sie es nicht waschen. Sie hat gesagt: „Sag Mahatma Gandhi, er soll mir noch ein Kleid geben. Dann wasche ich mich und ziehe jeden Tag saubere Kleidung an.“

Die Freiwilligen haben das Vertrauen der Dorfbewohner gewonnen. Aber bald wurde ich zu anderer Arbeit gerufen.

Teil V · Kapitel 19: Wenn ein Gouverneur gut ist

Immer mehr Bauern haben ausgesagt. Die Grundbesitzer waren wütend, und die Regierung wollte mich loswerden. Aber ich bin geblieben.

Am Ende hat die Regierung eine offizielle Untersuchung gemacht, und ich durfte Mitglied sein. Das Ergebnis war: Die Bauern hatten recht.

Das ungerechte Indigo-Gesetz, fast hundert Jahre alt, wurde abgeschafft. Die armen Bauern hatten gewonnen.

Teil V · Kapitel 20: Im Kontakt mit den Arbeitern

Danach habe ich den Fabrikarbeitern in Ahmedabad geholfen. Sie wollten höhere Löhne. Das war schwer, denn die Fabrikbesitzer waren meine Freunde.

Die Besitzer wollten keine Einigung. Also habe ich den Arbeitern geraten zu streiken – aber friedlich, mit strengen Regeln: keine Gewalt, und sie mussten ihr Brot mit anderer ehrlicher Arbeit verdienen.

Die Arbeiter haben es versprochen. Jeden Tag haben sie sich unter einem Baum getroffen.

Teil V · Kapitel 21: Ein Blick ins Ashram

In dieser Zeit musste das Ashram umziehen, weil dort die Pest ausgebrochen war. Wir haben Land am Fluss Sabarmati gekauft und sind dorthin gezogen. Wir waren jetzt über 40 Menschen.

Auf dem Land gab es viele Schlangen. Aber wir hatten eine Regel: Wir töten die Schlangen nicht. Trotzdem ist niemandem etwas passiert.

Die Hauptarbeit im Ashram war das Weben von Stoff.

Teil V · Kapitel 22: Das Fasten

Nach zwei Wochen haben die Arbeiter die Hoffnung verloren, und ihr Mut wurde schwächer. Ich hatte Angst: Sie brechen ihr Versprechen.

Plötzlich, bei einem Treffen, habe ich gesagt: „Ich esse nichts mehr, bis ihr den Streik bis zu einer gerechten Lösung durchhaltet.“ Die Arbeiter waren erschüttert. Sie haben geweint und versprochen, treu zu bleiben.

Ich habe für die Arbeiter ehrliche Arbeit gefunden: Sie haben Sand für das Ashram getragen.

Eine Sache hat mich aber gestört: Die Fabrikbesitzer waren meine Freunde, und mein Fasten hat sie unter Druck gesetzt. Ein Satyagrahi sollte aber niemanden zwingen.

Nach drei Tagen kam eine gerechte Lösung. Der lange Streik war friedlich zu Ende.

Teil V · Kapitel 23: Der Satyagraha von Kheda

Nach dem Streik kam eine fast schlimme Hungersnot in die Gegend Kheda. Die Ernte war schlecht, und die armen Bauern konnten die Steuer für ihr Land nicht zahlen.

Nach dem Gesetz mussten sie in so einem Jahr nicht zahlen. Aber die Regierung wollte nicht hören. Also habe ich den Bauern den Satyagraha geraten.

Die Bauern haben versprochen: „Wir zahlen die Steuer nicht. Lieber soll die Regierung unser Land nehmen, als dass wir nachgeben.“ Ein Mann namens Vallabhbhai Patel hat mitgemacht. Später wurde er ein großer Führer.

Teil V · Kapitel 24: „Der Zwiebeldieb“

Diesmal haben die Zeitungen über den Kampf berichtet. Die schwerste Aufgabe war, die Bauern von ihrer Angst zu befreien – und trotzdem höflich und sanft zu den Beamten zu bleiben. Ich habe oft gesagt: Höflich zu bleiben ist der schwerste Teil des Satyagraha.

Die Regierung hat angefangen, das Vieh und die Ernte der Bauern wegzunehmen. Einmal hat sie zu Unrecht ein Feld mit Zwiebeln beschlagnahmt. Da habe ich den Leuten gesagt: „Nehmt die Zwiebeln zurück, denn das ist Unrecht.“

Ein Mann, Mohanlal Pandya, hat das getan und kam dafür ins Gefängnis. Die Leute haben ihn stolz „den Zwiebeldieb“ genannt. Das hat alle mutiger gemacht.

Teil V · Kapitel 25: Das Ende des Kheda-Satyagraha

Der Kampf endete unerwartet: Die Beamten waren einverstanden, dass die armen Bauern nicht zahlen mussten. Das war das Hauptziel.

Aber ich war nicht ganz glücklich. Denn die armen Bauern haben die versprochene Hilfe kaum bekommen.

Trotzdem hatte der Kampf ein großes Ergebnis: Er hat die Bauern von Gujarat aufgeweckt und ihnen ihre eigene Kraft gezeigt. Und Vallabhbhai Patel wurde ein echter Führer. So hat der Satyagraha in Gujarat feste Wurzeln geschlagen.

Teil V · Kapitel 26: Leidenschaft für die Einheit

Mir war die Einheit zwischen Hindus und Muslimen sehr wichtig. Ich wusste: Das wird die schwerste Prüfung für meine Gewaltlosigkeit.

Der Vizekönig hat Führer zu einer Kriegskonferenz eingeladen. Aber einige wichtige muslimische Führer durften nicht kommen – sie waren im Gefängnis.

Ich habe mich für ihre Freilassung eingesetzt. Und ich habe ein muslimisches Anliegen unterstützt, das ich für gerecht hielt. Ich wollte, dass Hindus und Muslime zusammenstehen.

Teil V · Kapitel 27: Die Werbekampagne

Ich habe den Briten geholfen, Soldaten zu finden. Ich hoffte, das würde Indien helfen, die Selbstregierung zu bekommen. Aber das war sehr schwer.

Dieselben Menschen, die mir gegen die ungerechte Steuer geholfen hatten, wollten jetzt keine Soldaten für die Briten werben. Sie haben gefragt: „Du glaubst doch an die Gewaltlosigkeit. Wie kannst du uns bitten, Waffen zu nehmen?“

Nur wenige haben sich gemeldet. Ich und meine Helfer sind jeden Tag viele Kilometer zu Fuß gegangen und haben unser Essen selbst getragen.

Teil V · Kapitel 28: Nahe am Tod

Während der Werbekampagne wurde ich sehr krank. Ich hatte eine schwere Krankheit im Bauch.

Ich war stur und habe alle Medikamente abgelehnt. So wurde ich immer schwächer, und ich dachte, ich bin nahe am Tod. Meine Freunde haben mich mit großer Liebe gepflegt.

In dieser Zeit war der Krieg zu Ende. Das war eine große Erleichterung.

Langsam, mit einfacher Behandlung und viel Ruhe, ging es mir wieder besser. Auch als ich sehr krank war, habe ich kein Fleisch und keine Eier gegessen, wegen meiner Überzeugung.

Teil V · Kapitel 29: Die Rowlatt-Gesetze und mein Dilemma

Ein Arzt hat gesagt: „Sie müssen Milch trinken, um gesund zu werden.“ Aber ich hatte versprochen, nie Milch zu trinken.

Meine Frau hat Ziegenmilch vorgeschlagen, und ich habe Ja gesagt. So habe ich zwar die Worte meines Versprechens gehalten, aber nicht seinen Geist. Ich wollte leben und weiterkämpfen. Es hat mir leidgetan.

Dann habe ich von den neuen „Rowlatt-Gesetzen“ gelesen. Sie waren sehr hart und ungerecht. Ich habe entschieden: Wenn sie kommen, müssen wir Satyagraha leisten.

Teil V · Kapitel 30: Ein wunderbares Schauspiel!

Ich habe die Regierung gebeten, das ungerechte Gesetz nicht zu machen. Aber es hat nichts genützt.

Dann kam mir eine Idee, fast wie in einem Traum: Ich wollte das ganze Land zu einem „Hartal“ aufrufen – einem Tag, an dem alle die Arbeit ruhen lassen, fasten und beten, als friedlicher Protest.

An diesem Tag im Jahr 1919 hat ganz Indien aufgehört zu arbeiten – die Städte und die Dörfer. Es war ein wunderbares Schauspiel.

Teil V · Kapitel 31: Diese denkwürdige Woche! (Teil 1)

Am 6. April hat Bombay und ein großer Teil Indiens den Hartal gehalten. Die Menschen haben sogar verbotene Bücher offen verkauft, ohne Angst vor dem Gefängnis.

Ich wollte in die Provinz Punjab reisen. Aber die Regierung hat mir das verboten und mich unterwegs verhaftet.

Meine Verhaftung hat die Menschen sehr wütend gemacht. In manchen Städten hat die Polizei auf die Menschenmenge geschossen.

Teil V · Kapitel 32: Diese denkwürdige Woche! (Teil 2)

Zurück in Bombay habe ich eine riesige Menschenmenge gesehen. Die Polizei zu Pferd ist in die Menge geritten. Menschen wurden niedergetreten. Es war ein schrecklicher Anblick.

Auch in anderen Städten gab es Gewalt. Das hat mich tief getroffen. Manche Menschen, sogar Arbeiter, die ich gekannt hatte, hatten Gewalt benutzt. Aber Satyagraha muss völlig gewaltlos sein.

Deshalb habe ich drei Tage lang als Buße gefastet. Und ich habe den Satyagraha gestoppt, bis die Menschen wieder friedlich waren.

Teil V · Kapitel 33: „Ein himalayagroßer Irrtum“

In Nadiad habe ich offen einen großen Fehler zugegeben. Ich habe ihn meinen „himalayagroßen Irrtum“ genannt.

Ich hatte die Menschen zu früh zum zivilen Ungehorsam aufgerufen – bevor sie bereit waren, es friedlich zu tun. Ich habe verstanden: Ein Mensch muss zuerst die guten Gesetze treu befolgen. Erst dann hat er das Recht, ein ungerechtes Gesetz friedlich zu brechen.

Ich habe meinen Fehler öffentlich zugegeben, obwohl manche Leute über mich gelacht haben. Aber ich habe meine Ehrlichkeit nie bereut.

Ich habe entschieden: Zuerst will ich gute Helfer ausbilden, die den Satyagraha wirklich verstehen.

Teil V · Kapitel 34: Navajivan und Young India

In der Provinz Punjab war die Regierung sehr grausam. Es gab das Kriegsrecht, und in Amritsar mussten unschuldige Menschen sogar auf dem Boden kriechen. (Dort gab es auch das berühmte Massaker von Jallianwala Bagh.)

Ich wollte in den Punjab gehen, aber ich durfte nicht.

Also habe ich angefangen, zwei Zeitungen zu leiten – eine auf Englisch und eine auf Gujarati. Damit habe ich den Menschen die Bedeutung des Satyagraha erklärt.

Ich habe keine Werbung gedruckt, damit die Zeitungen unabhängig blieben.

Teil V · Kapitel 35: Im Punjab

Manche Leute haben sogar mir die Schuld an dem Unglück gegeben. Einige haben gedroht, mich zu töten.

Endlich durfte ich in den Punjab reisen. Die Menschen dort haben mich mit großer Freude empfangen.

Die Regierung hat eine eigene Untersuchung gemacht. Aber ich und der Kongress haben auch eine eigene Untersuchung gemacht.

Ich bin durch die Dörfer gereist und habe die wahren Geschichten der Menschen gesammelt – über die Grausamkeit, die sie erlebt hatten. Daraus habe ich einen sorgfältigen, ehrlichen Bericht geschrieben.

Teil V · Kapitel 36: Khilafat gegen Kuhschutz?

Ich wurde zu einem Treffen von Hindus und Muslimen eingeladen. Manche wollten ein „Geschäft“ machen: Die Muslime sollten aufhören, Kühe zu töten (die den Hindus heilig sind), wenn die Hindus ihnen bei ihrem Anliegen helfen.

Aber das hat mir nicht gefallen. Ich habe gesagt: Jede Seite soll das Richtige aus eigenem Willen tun, aus Respekt – nicht als Geschäft. Die Leute haben mir zugestimmt.

Bei diesem Treffen habe ich zum ersten Mal eine neue Idee benutzt: die „Nicht-Zusammenarbeit“. Das heißt: einer ungerechten Regierung friedlich die Zusammenarbeit verweigern.

Teil V · Kapitel 37: Der Kongress von Amritsar

Beim Treffen des Kongresses in Amritsar wurden die Gefangenen aus dem Punjab freigelassen. Es gab große Freude.

Die Regierung hatte einige Reformen angeboten. Ich dachte, man konnte sie annehmen. Aber andere geachtete Führer wollten sie ablehnen.

Es war mir sehr unangenehm, anderer Meinung zu sein als diese großen Männer. Am Ende haben wir aber einen Kompromiss gefunden, der alle glücklich gemacht hat.

Teil V · Kapitel 38: Eintritt in den Kongress

Dieses Treffen war für mich der wirkliche Anfang in der Politik des Kongresses. Ich bekam zwei Aufgaben.

Die erste: Geld zu sammeln für ein Denkmal für die Opfer von Jallianwala Bagh. Die zweite: neue Regeln – eine Art Verfassung – für den Kongress zu schreiben.

Ich konnte gut klar und kurz schreiben. Auf die Verfassung, die ich geschrieben habe, war ich stolz.

Teil V · Kapitel 39: Die Geburt des Khadi

Ich glaubte: Stoff mit der Hand zu spinnen und zu weben kann den armen Menschen in Indien helfen.

Im Ashram haben wir angefangen zu weben. Wir haben entschieden: Wir tragen nur indischen Stoff, der mit der Hand gewebt ist.

Aber wir brauchten noch die Fabriken für das Garn. Ich wollte unser Garn selbst spinnen. Das Problem war: Das alte Spinnrad war fast verschwunden, und wir konnten keins finden.

Eine mutige Witwe, Gangabehn, hat versprochen, ein Spinnrad zu suchen.

Teil V · Kapitel 40: Endlich gefunden!

Endlich hat Gangabehn alte Spinnräder in einem Dorf gefunden. Die Leute hatten sie weggeräumt. Jetzt haben sie wieder angefangen zu spinnen.

Bald kam viel handgesponnenes Garn, und der Khadi-Stoff aus diesem Dorf wurde bekannt.

Auch ich habe angefangen, das Spinnrad zu benutzen. Ich habe gesagt: Sein leises Summen hat mir sogar geholfen, gesund zu werden.

Ich habe entschieden: Ich trage nur noch Khadi.

Teil V · Kapitel 41: Ein lehrreiches Gespräch

Ein Fabrikbesitzer hat mich gewarnt: „Früher haben die Fabrikbesitzer die Leute betrogen. Sie haben die Preise erhöht und ausländischen Stoff als indischen verkauft.“ Er meinte, ich sollte lieber mehr Fabriken bauen.

Aber ich habe erklärt: Mein Ziel ist nicht, den Fabriken zu helfen. Mein Ziel ist, den armen Frauen in Indien durch das Spinnrad Arbeit zu geben – und ganz Indien mit handgemachtem Stoff zu kleiden.

Als der Fabrikbesitzer das gehört hat, hat er mir Erfolg gewünscht.

Teil V · Kapitel 42: Die steigende Flut

Jetzt habe ich die Idee der „Nicht-Zusammenarbeit“ weitergebracht. Ich habe mit muslimischen Führern gearbeitet. Sie waren einverstanden, dass die Gewaltlosigkeit erlaubt ist.

Bei einem großen Treffen des Kongresses in Kalkutta im Jahr 1920 wurde der Plan angenommen. Das Ziel war jetzt „Swaraj“ – die Selbstregierung für Indien.

In dieser Zeit ist der große Führer Tilak gestorben. Das war für mich ein schwerer Verlust.

Teil V · Kapitel 43: In Nagpur

Beim Kongress in Nagpur wurde der große Plan der Nicht-Zusammenarbeit endlich von allen angenommen.

Das Ziel war Swaraj – die Selbstregierung für Indien. Man wollte es mit friedlichen und ehrlichen Mitteln erreichen.

Der Kongress hat auch versprochen: für die Einheit von Hindus und Muslimen zu arbeiten, die „Unberührbarkeit“ zu beenden und den Khadi zu verbreiten.

Teil V · Abschied

Jetzt ist es Zeit, dieses Buch zu beenden. Mein späteres Leben ist so öffentlich, dass es fast jeder kennt.

Ich habe versucht, ehrlich die Wahrheit zu erzählen. Das hat mir tiefen Frieden gegeben.

Eines weiß ich sicher: Es gibt keinen Gott außer der Wahrheit. Und der einzige Weg zur Wahrheit ist Ahimsa – die Gewaltlosigkeit und die Liebe.

Um die Wahrheit zu finden, muss man sogar das kleinste Lebewesen lieben wie sich selbst. Und man muss sehr bescheiden werden – sich selbst ganz klein machen und an die letzte Stelle setzen.

Ich bitte dich, lieber Leser: Bete mit mir für die Gewaltlosigkeit – in Gedanken, in Worten und in Taten.

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